Hart am Limit. Rattenfänger ringen Oldenburg nach 6,5 Stunden nieder

Aus dem Tagebuch eines Schachspielers…

In ganz Deutschland gibt es kein Präsenz-Schachbetrieb! In ganz Deutschland? Nein, eine kleine Schar unbeugsamer Schachspieler in der Oberliga Nord West trotzen der Gefahr und lachen den COVID-Virus aus. Die Oberliga Nord West war tatsächlich die einzige Liga, die an diesem Wochenende gespielt hatte. Warum die Verantwortlichen das zugelassen hatten, wissen sie nur allein. Kurzfristig fielen leider Dennis und Adrian aus. Aber Jonas nach seinem starken Debüt und unser 1. Vorsitzender Oliver verstärkten uns. Die Gastmannschaft musste mehrere Stammkräfte ersetzen. Ein krankheitsbedingter Ausfall am Spieltag (Nein kein COVID) war dann zu viel, so traten sie nur zu 7 an. Nach den ELO-Zahlen sprach es ein ausgeglichener Wettkampf zu werden. Obwohl ich ja immer sage: „ELO-Zahlen spielen kein Schach.“ Die Spiele mögen beginnen. Also ran an die Partien diesmal OHNE Computerüberprüfung!

Hamelner SV   4,5 : 3,5 SK Union Oldenburg  

1 FM Wilfried Bode 2353 1/2 : 1/2 Sebastian Muer 2244
2 FM Matthias Tonndorf 2171 FM + : – Dirk Bredemeier 2236 FM
3 Kai Renner 2163 0 : 1 Max Messern 2198
4 Lutz Van Son 2177 1/2 : 1/2 Jan Wagner 2193
5 Yannick Koch 2078 1/2 : 1/2 Tom Peters 2055
6 Felix-Hagen Jacobi 2118 1 : 0 Lukas Heyne 2096
7 Oliver Barz 2013 0 : 1 Frank Modder1905
8 Jonas Möller 1869 1 : 0 Maik Schäfer 1910

Matthias musste sich diesmal nicht groß anstrengen und gewann kampflos.

1,0 – 0,0

Unserer früherer Trainer Bangiev wäre sicher stolz gewesen, wenn er mein Bauerndreieck von b2 über e5 nach h2 gesehen hätte. Dahinter tummelten sich alle meine Streitkräfte und wartete auf den entscheidenden Angriffsbefehl. Die Bewertung flipperte dann immer wieder hin und her. Scheinbar waren einige taktische und strategische Elemente doch schwieriger zu finden. Das Dreieck wurde aufgebrochen, das meiste Material abgetauscht. Das entstandene Endspiel war ausgeglichen und die Punkteteilung mehr als gerecht.


1,5 – 0,5

Wieder gab es ein heftiges Brennen in den Augen, wenn man die Stellung von Felix ansehen wollte. Wie üblich hatte Felix einen Bauern genommen und dann seinem Spitznamen Quälix alle Ehre gemacht. Wieder einmal schaffte der Rattenfänger es, genug Material zu tauschen und mit dem Mehrbauer ins Endspiel zu kommen. Das gewann er souverän. Mit 3,5 Punkten aus 4 Partien ist Felix unser Topscorer und hat schon die 2100 Elo-Marke geknackt. Klasse.

2,5 – 0,5

Jonas opferte temporär einen Bauern in der Eröffnung und bekam sehr aktives Spiel. Das Material bekam er zurück und dazu ein gutes Endspiel. Nach einigen Täuschen konnte der a-Freibauer bis zur Grundreihe durchlaufen und einen Touchdown machen.

3,5 – 0,5

Es sah richtig gut aus. Unsere Weißpartien hatten 3,5 Punkte geholt. Den Rest sollten doch unsere Schwarzspieler hinbekommen.  Kai und Oliver  hatten im Endspiel einen Bauern weniger, doch die Remisbreite war noch nicht überschritten. Yannick hatte ein besseres Leichtfigurenendspiel und Wilfried einen Mehrbauern im Turmendspiel auf dem Brett. Da sollte doch nichts mehr schief gehen.

Eine sehr ausgeglichene Partie spielte Oliver, so dass er bald Ausgleich hatte. Doch im Übergang zum Endspiel bei abnehmender Bedenkzeit, fiel bei ihm ein Bauer vom Brett. Das Damenendspiel mit einem gefährlichen Freibauern war nicht einfach zu behandeln. Sein Kontrahent machte es besser und positionierte seinen König und Bauern so, dass es kein Dauerschach gab. Dann lief der Freibauer.

2,5 – 1,5

Bei Wilfried hatte man immer das Gefühl, dass er die ständige Kontrolle am Brett hatte. Sämtliche Drohungen wurden abgewehrt und ein Schwerfigurenendspiel entstand. In der Zeitnotphase zeigte es sich, dass Wilfried immer noch einer der besten Blitzspieler Niedersaschen ist und gewann einen Bauern. Das nun entstandene Turmendspiel versprach ein paar kleine Chancen, doch sein Gegner konnte einige Bauern tauschen und später eine 3-fache Stellungswiederholung reklamieren.

4,0 – 2,0

Kai spielte wieder eine aktive Eröffnungsvariante und hatte fast schon den Ausgleich erzielt. Doch nach einer schönen Kombination seinen Gegner verlor er einen Bauern und befand sich in einem schwierigen Turm/Springerendspiel. Hier fand der Gastspieler die besseren Züge und konnte den Sieg sicher einfahren.

4,0 – 3,0

In der Partie von Yannick passierte lange Zeit wenig. Hier mal ein Bauer getauscht, da eine Figur. Der Spannungsbogen war immer recht flach gewesen. Es entstand ein Leichtfigurenendspiel bei dem Yanniks Läuferpaar etwas besser war, als das gemischte Doppel auf der anderen Seite. Allerdings musste dann ein Läufer getauscht werden und dann begann die große Springerwanderung. Der letzte Bauer wurde im 57. Zug getauscht. In den nun kommenden 50 Züge hat der Springer vermutlich 40 verschiedene Felder besucht. Doch Yannick konnte den Druck standhalten und nach über 6,5 Stunden im 107. Zug das Remis für sich und die Mannschaft einfordern.

4,5 – 3,5

Es war ein sehr enger Wettkampf. Es hätte auch anders ausgehen können. Trotzdem kann ich die Entscheidung, dass unsere Staffel spielen musste nicht verstehen. Zwei Wettkämpfe wurden verlegt, so dass wir im ersten Drittel der Tabelle zu finden sind. Damit ist das erste Ziel den Klassenerhalt zu sichern so gut wie geschafft. Nun können wir befreiter aufspielen und wer weiß, wohin der Weg hinführt. Das war es für dieses Schachjahr. Bleibt gesund und genießt die kommenden Feiertage.

3 Kommentare

  1. Gratulation von mir aus Göttingen! Ich wusste nicht, dass die OLNW spielt. Aber Gott, das ist halt Kohlstädt. Die Runde war angesetzt. Er sagte mir einmal, dass es nur einen Grund gäbe, eine Runde abzusagen, und das wäre ein Angriff aus dem All. Doch das CORONA – Virus ist halt irdisch, zählt für ihn wohl nicht.

    Was Eure Aussichten angeht, bekomme ich mehr und mehr Recht: Abstiegskampf ist es in diesem Jahr echt nicht, nächste Runde Salzgitter, glaube ich, das gewinnt ihr, und dann… – vielleicht geht ja ein bisserl ‚was nach oben. Ruft jetzt bitte nicht beim Fußballlehrer Streich an, der würde auch etwas von 40 Punkten und Klassenerhalt erzählen.
    Ein schlechtes Gewissen wegen nur 7 Oldenburgern als Gegnern braucht man nicht zu haben… mit Weiß hätte Tonne das Nachfolgende auch fertigbekommen:

    Karwatt, Lothar – Bredemeier, Dirk

    Vor langer Zeit, als beide in Göttingen studierten…

    1. d4 d5 2. c4 e6 3. cxd5 exd5 4. Nc3 c5 5. Nf3 Nc6 6. g3 Nf6 7. Bg2 Be7 8. O-O
    O-O 9. Be3 c4 10. Ne5 h6 11. Qa4 a6 12. Nxc6 bxc6 13. b3 cxb3 14. Qxb3 a5 15.
    Rfc1 Ba6 16. Qa4 Qd7 17. Rab1 Bb4 18. a3 Bxc3 19. Rxc3 Bb5 20. Qc2 a4 21. f3
    Rfe8 22. Bf1 Rac8 23. Bf2 g5 24. g4 h5 25. Qd2 Nh7 26. gxh5 Qf5 27. Rbc1 Rb8
    28. Bg3 Rb7 29. Re3 Rbe7 30. Rxe7 Rxe7 31. Rc3 Nf6 32. Re3 Rxe3 33. Qxe3 Nxh5
    34. Qe8+ Kg7 35. Be5+ f6 36. Bd6 Qg6 37. Bf8+ Kh7 38. Qe7+ Kg8 39. Bh3 Nf4 40.
    Bf5 Qf7 41. e3 Qxe7 42. Bxe7 Kf7 43. Bd6 Ne6 44. Kf2 Ng7 45. Bd7 Ne8 46. Bc5
    Nc7 47. Kg3 Ne6 48. Bd6 f5 49. f4 g4 50. h3 gxh3 51. Kxh3 Bf1+ 52. Kg3 Bb5 53.
    Kf2 Kf6 54. Ke1 Nd8 55. Be5+ Ke7 56. Bxf5 Nb7 57. Bc7 Nd6 58. Bxd6+ Kxd6 59.
    Kd2 c5 60. dxc5+ Kxc5 61. Kc3 Be8 62. Be6 Kd6 63. Bg8 Bg6 64. Kd4 Be4 65. Bf7
    Bf3 66. f5 Be4 67. f6 Bf3 68. Be8 Bd1 69. Bc6 Ke6 70. f7 Kxf7 71. Kxd5 Kf6 72.
    e4 Bb3+ 73. Kd6 Be6 74. Bxa4 Bc8 75. Bc6 Kf7 76. e5 Bf5 77. a4 Bc8 78. a5 Kf8
    79. Kc7 Ba6 80. Bb7 Bc4 81. a6 Bxa6 82. Bxa6 Ke7 83. Bc4 1-0

    Tja, man wird alt, wenn man seine alten Partien betrachtet. Bevor mir Yannik die Bytes beschränkt grüßt aus GÖ,

    Lothar

  2. Glückwunsch zum Sieg! Das freut mich natürlich extrem, da ich dem Mannschaftskampf nicht persönlich beiwohnen konnte. Der Grundstein ist gelegt, neue Ziele können formuliert werden. 😉

    PS: Felix, die Maschine.

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