Zu viele Chancen vertan – Hellern entführt einen Mannschaftspunkt aus Hameln

Aus dem Tagebuch eines Schachspielers…

Nachdem Hameln schon 4 Mannschaftspunkte gesammelt hatte und das Abstiegsgespenst förmlich vertrieben wurde, konnten wir befreit und ohne große Anspannung antreten. Leider fiel Frank aus, dafür bekamen wir mit Peter wieder viel Schachwissen aus der zweiten Mannschaft. Unsere Gäste waren überpünktlich da, so konnte der Wettkampf pünktlichst (nach der Atomuhr 😉 beginnen.

Ein Blick auf die Aufstellung versprach einen spannenden Wettkampf. An wenigen Brettern hatten wir die Nase vorn und würden als Außenseiter in den Wettkampf gehen. Aber wie sage ich immer: „ELO-Zahlen spielen kein Schach.“ Also ran an die Partien OHNE Computerüberprüfung! Da ich mich die meiste Zeit um meine eigene Partie kümmern musste, habe ich den Rest nicht so verfolgen können.

Hamelner SV (4,0) : (4,0) SV Hellern

1. 2339 FM Wilfried Bode ½ : ½ IM Carsten Lingnau 2420
2. 2189 FM Matthias Tonndorf ½ : ½ Dr. Christian Böttcher 2184
3. 2162 Lutz van Son ½ : ½ Jörg Stock 2196
4. 2177 Kai Renner 1 : 0 Reinhold Happe 2113
5. 2035 Dennis Schmidt ½ : ½ Thorben Weist 2068
6. 2231 FM Adrian David ½ : ½ Tammo Lewin 2056
7. 2089 Yannick Koch 0 : 1 Dr. Ingo Gronde 2210
8. 2011 Peter Brunotte ½ : ½ Wolfgang Andre 2193

Adrian hatte diesmal eine sehr aggressive Variante ausgesucht und startete einen Bauernsturm. Es sah schon verheerend aus, doch schaffte es sein Gegner alles notdürftig zu flicken. Aber auch das Endspiel hatte genug Gewinnpotenzial, doch fand der Hamelner nicht den entscheidenden Gewinnweg. Daher leider Remis. Es sollte nicht der letzte verlorene halbe Punkt in diesen Wettkampf werden.
0,5 – 0,5

Dennis konnte seinen Kontrahenten mit einem Bauernopfer in der Eröffnungsphase überraschen. Dafür bekamen seine Streitkräfte Initiative und Angriffsmotive. Das sah schon gefährlich aus. Den Rest habe ich nicht gesehen, auf einmal wurde das Remis vereinbart.
1,0 – 1,0

Bei Kai entschied diesmal die kleine Taktik. Nach einer guten Eröffnungsphase konnte der Rattenfänger mit einem Turmeinschlag zwei Bauern gewinnen. Dann kurz die Verteidigung sortiert und ins gewonnene Endspiel abgewickelt.
2,0 – 1,0

Es sah gut aus. Mit einer Führung im Rücken und mindestens vier guten Stellungen sollte doch nichts schief gehen. Nur bei Wilfried mussten wir aufpassen.

Im Wettkampf der „alten Männer“ traf Peter auf einen der stärksten niedersächsischen Senioren. Geballtes Schachwissen prallte aufeinander! Aber nun wurde nicht etwa so ein kurzes Remis geschoben. Nein, beide Seiten spielten voll auf Angriff, ließen ihre Monarchen in der Mitte und schon rannten die Landwirte nach vorne. Dabei hatte ich immer das Gefühl, dass Peter die besseren Chancen hatte. Die Stellung wurde geöffnet und Figuren wurden getauscht, bis ein remises Endspiel entstand.
2,5 – 1,5

Bei Wilfried wurde schnell dicker Beton angerührt. Danach prallte eine Angriffswelle nach der anderen am Mauerwerk ab. Dieses Remis hat sich Willi gut ermauert.
3,0 – 2,0

Matthias ist ja für seine kreative Eröffnungswahl bekannt und zauberte wieder etwas Neues. Also wenn es darauf abzielte, die Bedenkzeit wie Eis in der prallen Mittagssonne abzuschmelzen, dann hat Matthias einen tollen Erfolg zu vermelden. Knapp 30 Minuten für 30 Züge hatte sein Gegner noch auf der Uhr gehabt. Dem entsprechend schlechter wurde seine Stellung. Fast schon hatten Matthias Streitkräfte den entscheidenden Schlag durchgeführt und Material gewonnen. Doch mit dem letzten Trick konnte sein Gegenüber das Remis retten. Mist, da war auch wieder mehr drin gewesen.
3,5 – 2,5

Yannick spielte eine schöne Partie und kam gut aus der Eröffnung heraus. Dabei konnte der Hamelner sich einen gefährlichen a-Freibauern bilden. Auf der Gegenseite wurde ein Angriff auf den Königsflügel vorbereitet. Ob nun jugendliche Unbekümmertheit oder falsche Stellungsanalyse. Der Angriff schlug durch, bevor der Freibauer den Touchdown auf der Grundreihe schaffte. Gut, in den letzten Spielen hat sein furchtloses Spiel Yannick gute Punkte gebracht. Diesmal wurde es sein Verhängnis.
3,5 – 3,5

Oh Schreck, oh Graus – nun hing alles an meiner Partie ab. Nach einer wahren Theorieschlacht bis zum 19. Zug wich ich ab und fühlte mich wohl. Ein schöner Freibauer auf der d-Linie war mein Trumpf und gleichzeitig meine Schwachpunkt. Nun wurde auf beiden Seiten die Figuren in Position gebracht, wobei das gegnerische Läuferpaar ein gewisses Gefahrenpotenzial mitbrachte. Glücklicherweise machte mein Gegenüber einen schwächeren Zug und mit einem Zauberspringerzug konnte ich nicht nur Ausgleich erzielen sondern selber meinen Angriff starten. Es wurde einige Figuren getauscht und meine Dame drang in die Stellung ein. Nach dem Damentausch war die feindliche Bauernstruktur am Damenflügel hin und mein Turm konnte auf die 2. Reihe eindringen. Einen Bauern abgefischt und ins ungleichfeldrige Läuferendspiel abgewickelt. Nun war guter Rat teuer. Aber ich hatte ja den Tigersprung gut durchgearbeitet und konnte mich an das richtige Kapitel erinnern. Also die Stellung verbessert, die feindlichen Bauern angegriffen und schon konnte mein König nach vorne laufen. Ein zwei heikle Stellen gab es noch und ich dachte schon, dass ich den vollen Punkt hatte. Doch das Endspiel war nicht so einfach gewonnen. Also einen zweiten Bauern gewinnen und nach einem Plan Ausschau halten, während die Bedenkzeit auf beiden Seiten deutlich abnahm. In der entscheidenden Stellung habe ich dann das gewinnbringende 30zügige Umgehungsmanöver gesehen, aber leider das Verteidigungspotenzial falsch eingeschätzt. So wurde das Endspiel leider Remis. Stockfish hat es mir gezeigt, der konnte die 30 Züge besser vorausrechnen. 😉 Schade, Chance vertan.
4,0 – 4,0

Das Unentschieden half unseren Gästen mehr als uns. Trotzdem können wir als Underdog-Team wieder zufrieden sein, einer stärkeren Mannschaft ein Bein gestellt zu haben. Nächstes Mal geht es zum Bundesliga-Absteiger aus Oldenburg. Schwer, aber nicht unmöglich für uns.

Was ist noch in der Liga passiert?

Werder Bremen hat mal einige GMs und IMs für den Kampf gegen Lister Turm aktiviert und gewonnen. Damit ist der Aufstieg so gut wie geklärt. Lingen mischt weiterhin die 2. Bundesliga auf. Hannover 96 mit 0 MP und auch SF Hannover mit 2 MP werden wohl den Absteiger unter sich ausmachen. Vorteil bei SF Hannover, da Hannover 96 noch einige Kracher zu bewältigen hat.

Hier die aktuelle Tabelle der Oberliga nach der 6. Runde:

5 Kommentare

  1. Danke für den schönen Bericht, Lutz.
    Bei mir sah es tatsächlich lange Zeit gut aus, an der entscheidenden Stelle hätte ich mit …a4-a3 einfach meinen Bauern vorziehen sollen. Die Zeitnot brachte mich aber auf andere Gedanken, sodass ich nach dem 40. Zug eine Verluststellung verwalten musste.

  2. Bei mir war leider nichts Konkretes drin in der Stellung, wenn es auch verlockend aussah. Und bevor ich wieder eine Stellung in Zeitnot verwalten muss, dachte ich, ein Remis mit Schwarz und leichter Initiative ist okay. 😉 Bei dem Ausgang hätte ich vermutlich weitergespielt… aber wer weiß das schon im Vorfeld.

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