Offene Internationale Bayerische Schachmeisterschaft 28.10 – 5.11(Stand nach Runde 9)

Zum optimalen Start und Vorbereitung in die noch junge Saison dachten wir uns, also Henning Wehrmann, Matthias Tonndorf, Achim Spieker und Yannick Koch, man könne noch einmal ein richtig schönes Turnier mitspielen. Die Wahl viel auf die offenen internationalen bayerischen Schachmeisterschaften, die vom 28. Oktober bis 5. November in Bad Wiessee am wunderschönen Tegernsee (nicht weit entfernt von der kriminellen Szene des bayerischen Fußballs) ausgetragen werden. Das Teilnehmerfeld ist mit knapp 500 Schachspielern richtig ordentlich und auch mit diversen Spitzenspielern mit ELO >2500 gespickt. Sowohl nationale als auch internationale Hochkaräter sind hier vertreten. Bekannte Namen hier sind zum Beispiel Anton Korobov, Evgeny Romanov, Niclas Huschenbeth oder „Legende“ Ulf Andersson.

Nach der obligatorischen Eröffnung durch Turnierorganisator Sebastian Siebrecht, Regelkunde in Deutsch und Englisch durch Schiedsrichter Ralph Alt und ein bisschen bayerischer Musik konnte es dann mit der ersten Runde losgehen. Nur noch ein kurzer Blick auf die Getränkekarte, aber alles gut – das „große Helle“ stand in Bayern folgerichtig ganz oben 😉 Gespielt wird in zwei verschiedenen Räumen – die ersten 44 Bretter live (auf chess24) in einem separatem Raum und alle anderen Bretter an normalen Holzbrettern in einem sehr großzügigem Spielsaal im ersten Stock. Das Ziel sollte damit klar sein.

Hier der Blick auf den Tegernsee 🙂

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Runde 1

Matthias erwischte einen optimalen Start in das Turnier. Gegen einen etwas schwächeren Spieler bewies er mit Schwarz, dass eine Felderschwäche weniger oder mehr dann doch den Ausschlag im Ergebnis ergeben kann. Seine Figuren drangen irgendwann ein, die 5-er-Bauernkette preschte vor, die b-Linie wurde mit den Türmen besetzt und die Dame schaute von a7 gefährlich auf f2, sodass der Gegner bald aufgeben musste.

Yannick hatte ebenfalls eine recht problemlose Erstrundenpartie. Als Weißer wurde sich schnell der Raumvorteil gesichert und Schwarz unterließ unbegründeter Weise jegliches Gegenspiel auf den geschwächten Feldern. Als dann auch noch der entscheidende Königsangriff gestartet wurde und die Dame gefährlich auf g3 auftauchte gab es dann nur noch wenig Hoffnung. Nach einem kleinen Handgemenge und Staubwirbel blieb dann ein Turm mehr übrig und die Hand wurde gereicht, als der Damentausch unausweichlich schien.

Hennig war hochmotiviert und setzte seinen Gegner aus der Eröffnung heraus unter Druck und bewies einmal mehr , dass Französisch-Abtausch nicht im entferntesten Sinn todremis ist. So startete er einen starken Königsangriff gegen den weißen König und sein Turm drang auf f7 tödlich ein. Leider verpasste er es,  eine der vielen Möglichkeiten zu nutzen, um den Gewinn nach Hause zu fahren und so endete die Partie nach einer ungenauen Zugfolge aber trotzdem starker Vorstellung Remis.

Achim hatte seine Lieblingseröffnung auf dem Brett. Nach einem –  sagen wir weit berechnetem Figurenopfer in der Eröffnung – konnte er seine junge Gegnerin gekonnt überspielen. Auf c3 wurden die Bauern verdoppelt und die Königsstellung der weißen Stellung entscheidend geschwächt. Als dann noch ein Bauer auf a3 auftauchte und die Dame entscheidend aktiviert war, wählte Achim das Abspiel ins Endspiel mit drei Bauern mehr und die Gegnerin musste aufgeben.

Wir müssen uns entschuldigen. Bei richtiger Vorbereitung wären auch 4/4 drin gewesen aber das ist wohl noch der Anfangsträgheit zu schulden und kann nur besser werden 😉

Runde 2

Achim erwischte keinen guten Tag. Trotz seines erfolgreich aufgebauten soliden Rentneraufbaus verpasste er es in einem Moment das Zentrum mit d4 zu besetzen, sodass sich Schwarz mit seinen Leichtfiguren auf den weißen Feldern, vorrangig d3, einnisten  konnte. Um ihn dort zu vertreiben wollte er es zu schön machen spielte Se5 und verrechnete sich dabei aber. Schwarz gewann zwei Figuren für den Turm und das Endspiel wollte sich Achim dann nicht mehr lange zeigen lassen. Schade, ein eingeschobener Sicherungszug hätte das ganze noch am Leben gehalten.

Yannick wurde von seinem Gegner in der Eröffnung früh provoziert, als ihm nach Dc2 als Schwarzer das Zerschlagen der gegnerischen Königsstellung mit Lxf3 angeboten wurde. Es wurde getauscht und so klar war das Manöver nicht, denn Weiß erhielt das Läuferpaar und ein stabiles Zentrum. Die Dame wurde allerdings schnell zum schwachen König geführt und im Handgemenge fand Weiß nicht die richtigen Verteidigungszüge. Ein bisschen Taktik links, ein bisschen Taktik rechts und Weiß musste nach einem schönen Damenopfer die Flosse rüberreichen.

Bei Henning konnte man schnell erkennen, dass er sich für seinen Verlust gestern revanchieren wollte. In seinem üblichen Harakiri-Stil des Königsinders setzte er seinen jungen Gegner enorm unter Druck – doch der verteidigte sich gut. Bis kurz vor der Zeitkontrolle, denn da übersah der Weiße einen taktischen Schlag, verlor 2 Bauern und hatte eine verlorene Stellung vor sich. Nach einem Generalabtausch auf f3 musste Henning dann nur noch zeigen, dass er das Turmendspiel mit den zwei Mehrbauern verwandeln kann, was ihm mühelos gelang.

Matthias war in der Runde vorgewahnt – er spielte gegen einen etwas schwächeren Gegner, der aber schon in der ersten Runde einen FM-Skalp erringen konnte. Das Problem wie er wiederholt betonte, dass er eigentlich gar keine vernünftige Eröffnungskenntnisse hat, löste er mit einem Schnellkurs „Wie gewinne ich gegen Caro-Cann“ und fühlte sich optimal vorbereitet 😉 So kam es auch zu den analysierten Variante und der gegnerischen König wurde einfach in der Mitte festgehalten, sodass dieser weder kurz noch lang rochieren konnte. Am Ende musste nur noch ein paar Schachs aus dem Weg gegangen werden und der Punkt war gesichert.

Hier bei der morgendlichen Analyse

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Stand nach Runde 2: 

Yannick und Matthias: 2/2 Punkte und dürfen morgen am live Brett spielen

Hennig: 1,5/2 Punkte

Achim: 1/2 Punkte

Runde 3 

Wird nachgeholt, wir müssen uns ja auch vorbereiten! 😉

Ergebnisse:

Matthias gewinnt hat 3/3

Yannick verliert hat 2/3

Hennig verliert und 1,5/3

Achim verliert und hat 1/3

Runde 4

Matthias konnte in Runde 4 immer noch eine weiße Weste aufweisen. In Runde 4 ging es mit Weiß gegen den mehrfachen littauischen Meister a.k.a. Trinkkumpane von Korobov GM Aloyzas Kveinys. In einer Neben-Nebenvariante des sizilianischen Kan-Systems kam Matthias gut raus und entwickelte seine Figuren harmonisch während Schwarz seine Stellung unnötig schwächte. Folgerichtig gewann er bald einen und dann einen zweiten Bauern und musste nur noch die richtige Gewinnabwicklung finden.  Leider griff er im kritischen Moment fehl – anstatt die Gewinnvariante durch ein schönes Qualitätsopfer  wählte er einen Sicherheitszug der aber einen entscheidenden schwarzen Königsangriff ermöglichte. Schade!

Yannick spielte gegen einen etwas stärkeren Gegner mit Schwarz und kam solide aus der Eröffnung. Weiß spielte mit einem hängenden Zentrum d4-e4 , das aber gut mit c6-c5 aufgerribelt wurde. Weiß fand nicht die richtigen Züge und so konnte die komplette Bauernstruktur zerschlagen werden mit isolierten Bauern auf e5, c3 und a3. Das einzige Gegenspiel fand Weiß im Spiel gegen f7 und so war das Opfer mit Txf7! folgerichtig. Anstatt den aktiven Gegenschlag mit Dxc3 zu spielen wollte ich es mir zeigen lassen, aber Weiß brachte den Angriff sicher zu Ende und gewann. Hier war wieder mehr drin.

Achim hatte einen deutlich stärkeren Gegner mit Weiß zugelost bekommen. Aber er kam gut aus seiner Lieblingseröffnung heraus, gewann einen Bauern und sicherte die Stellung gekonnt ab. Dann nur noch kurz die Figurentauschen und gewinnen… dachte er sich. Leider entstand ein ungleichfarbiges Läuferendspiel, in dem es ja mit dem siegen nicht immer ganz so einfach ist. Oft reichen selbst ein oder zwei Mehrbauern hier nicht aus. Wie die Analyse herausstellte gab es zwar einige Möglichkeiten, die Achim jedoch verpasste und so in das Remis einwilligen musste.

Henning erwischte einen schwarzen Tag und sah leider zu oft Gespenster und Drohungen die keine waren oder leicht hätten pariert werden können (Sorry …) Mit Schwarz bekam er nach der Eröffnung eigentlich eine gute Stellung und machte viel richtig!: etwas Raumvorteil, alle Figuren waren gedeckt und der König war in Sicherheit. Dann fing er aber an seine Bauern unkontrolliert nach vorne zu preschen und tauschte mit dem Lg7 seine wichtigste Leichtfigur, die zur Sicherung des Königs vorgesehen war. Übrig blieb eine positionelle Ruine, wie ich es eigentlich nur von Felix‘ Stellungen kenne. Es dauerte nicht lange und Henning musste aufgeben. Beim nächsten Mal wird es besser!

Stand nach Runde 4:

Matthias mit 3/4

Yannick mit 2/4

Hennig und Achim mit 1,5/4

Runde 5

Hans-Peter Röttig: Matthias Tonndorf 0:1

Yannick Koch : Carsten Günther 1:0

Henning Wehrmann : Dr. Dieter Koch remis

Thomas Wille: Achim Spieker 1:0

In Runde 5 erzielten wir nur 2,5 Punkte, da Achim ein total remises Endspiel verdaddelte. Die Stellung hielt zwar viele ungenaue Züge aus, aber Achim fand doch noch den Verlustzug. Die anderen machten es besser. Maathias erzielte einen sicheren Schwarzsieg. In einem besseren Endspiel setzte sich seine hervorragende Technik durch. Yannick häufte mehrere kleine Vorteile an, die er nach und nach ausbaute und problemlos gewann. Henning konnte seine bessere Stellung leider nicht verwerten und musste nach langem Kampf ins remis einwilligen.

Runde 6

Matthias Tonndorf : IM Xu Yi remis

FM Dr. Zunker : Yannick Koch remis

Norbert Weber: Henning Wehrmann 0:1

Achim Spieker: Yannick Luzius 1:0

Heute blieben wir ungeschlagen. Den Anfang machte Achim der in seiner Lieblingseröffnung nach 20 Zügen gewann. Dann steuerte Matthias einen weiteren sicheren halben Punkt bei. Eröffnungstheoretisch hervorragend vorbereitet erreichte er ein Endspiel das er mit Wilfried aus analysiert hatte. Da blieb seinem Gegner nur die Erkenntnis: Mehr als remis ist nicht drin.

Yannick bekam es heute mit einem FM zu tun. Er kam gut aus der Eröffnung und gewann nach langem Lavieren einen Bauern. Doch gegen seinen routinierten Gegner fand Yannick keinen Gewinnweg. So nahm er das remis mit. Am längsten saß Henning am Brett. In einer langwierigen Positionspartie setzte sich der Hamelner letztlich sicher durch.

So langsam geht das Turnier in die entscheidende Phase. Matthias bekommt es heute mit einer Legende zu tun. Er spielt gegen GM Ulf Andersson mit weiß, Yannick mit weiß gegen Thomas Kastek, Henning mit weiß gegen Ralf Danielmeier und Achim mit schwarz gegen Michael Jordan. Da wir 4 alle zur unteren Hälfte gehören wird es schwer. Aber wir sind alle hervorragend vorbereitet. Mal sehen was es nützt.

Runde 7

Matthias erreichte gegen die Legende Ulf Andersson ein Weiß remis, Der Altmeister zeigte sich in der Eröfffnung flexibel, überraschte Matthias, doch er konnte ihn nicht besiegen. Henning erreichte ein sehr umkämpftes remis. Achims Partie verließ nie die Remisbreite und so war das logische Ergebnis die Punkteteilung. Der Pechvogel war Yannick. Er bekam seine Vorbereitung auf das Brett, spielte den Gegner schwindelig (er konnte rechts, er konnte links)  doch in hochgradiger Zeitnot verdarb er seine gute Partie und musste seinem Gegner gratulieren, Wie geht es nun weiter?

Matthias kann seinem Ziel einer IM-Norm morgen mit einem Sieg ein gutes Stück näher kommen, Henning hat noch Chancen auf den Ratingpreis U1900. Es bleibt spannend.

 

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Runde 8

Die 8. und vorletzte Runde – Achim verpasste es in der Eröffnung zu rochieren und wurde übel zugrichtetet, seine Dame stand in einem Abzug und ein schwarzer Bauer war schon bis d3 vorgedrungen. Es dauerte nicht lange und Achim musste aufgeben, ok er wollte unbedingt Fußball schauen. Yannick kam mit Schwarz gut aus der Eröffnung, seine Figuren waren aktiv und der Ansturm am Damenflügel kam. Doch Weiß tauschte geschickt die Damen und es blieb nur noch ein aktiver Turm bei Schwarz, der aber für das Remis ausreichte. Ebenfalls Remis spielte Henning in gewohnter alles nach vorne-Marnier, aber der Gegner von Bayern München verteidigte sich zäh. Matthias hatte bereits nach der Eröffnung eine sehr gute Stellung auf dem Brett, die er aber zu leichtfertig behandelte und sogar bald auf Verlust stand. Da der Gegner das nicht verwerten konnte kam es zum Endspiel mit Minusbauern für Matthias, er hatte aber das aktive Läuferpaar sodass auch diese Stellung remis endete. Schade! Für eine Chance auf die IM-Norm hätte Matthias hier gewinnen müssen.

Runde 9

In der letzten Runde ging es noch mal richtig zur Sache. Gespielt wurde am Sonntag schon um 10 Uhr, damit eine Abreise sich nicht zu sehr verzögert. Henning setzte seinen Gegner von Anfang an unmenschlich unter Druck. Der Caro-Cann Aufbau wurde belagert und früh mit g2-g2-g5 die g-Linie geöffnet. Leider verteidigte sich sein Gegner gut und konnte die Damen tauschen, wonach Schwarz zwei Mehrbauern hatte, die dann zum Gewinn reichten. Achim wollte in der letzten Runde auch nochmal punkten, und bekam nach der Eröffnung mit Schwarz auch eine sehr gute Stellung mit Schwarz. Leider schätze er die weißen Ideen schlecht an und geriet unter die Räder und verlor nach hartem Kampf. Eine richtig schöne Partie spielte Yannick gegen WFM Zubova aus der Ukraine. Mit d5-e4-f4 konnte ein starkes Bauernzentrum aufgebaut werden und nachdem Schwarz seine Figuren sehr schlecht postierte kam der entscheidende Durchbruch im Zentrum und Schwarz geriet in einen üblen Angriff und musste wenig später aufgeben. Matthias erhielt aus der Eröffnung heraus wie in der Runde zuvor wieder eine Gewinnstellung. Während der Gegner relativ sinnlos seinen Randbauern bewegte mit a7-a5-a4 entwickelte Weiß die Figuren und stand bald richtig gut, sodass sich mehrere Wege zum Gewinn ergaben. Leider nutzte er keine davon. Als es am Ende noch Remis durch Dauerschach war wollte er mehr und drang in die Schwarze stellung ein, doch alle Schachs waren gut gedeckt und Schwarz konnte sich eine Dame auf a1 holen, 0-1.

Stand nach Runde 9

Matthias mit 5,5 Punkten – Platz 71

Yannick mit 5 Punkten – Platz 138

Henning mit 4 Punkten – Platz 311

Achim mit 3 Punkten – Platz 388

Ich denke es hat allen sehr viel Spaß gemacht, und auch im Sinne der Saisonvorbereitung war es nicht schlecht, sich ein paar Tage mal mit Schach zu beschäftigen und ein paar Klötze zu schieben. Alleine die tägliche Vorbereitung und die Analysen der Partien hat schon allen sehr viel gebracht. Die Organisation und Unterbringung war makellos – Wiederholung also denkbar, vor allem da Achim den „Fluch von Bad Wiessee“ beenden will 😉

11 Kommentare

  1. Klasse Ergebnisse nach zwei Runden. Yannick und Matthias mit voller Punktausbeute, Hennig mit 1,5 Punkten und auch Achim hat seinen ersten Punkt geholt. Heute um 16 Uhr geht es weiter auf Chess24

  2. Auf geht`s Männer. Jetzt gilt`s. Die entscheidende Turnierphase beginnt. Jetzt muss man hellwach sein. Bitte den Bierkonsum etwas bremsen und voll punkten …

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