Herzschlagfinale beim Dähnepokal-Landesfinale

Nehmen wir das einmal Ergebnis vorweg: Ich bin für eine deutsche Meisterschaft qualifiziert. Dass es dazu noch einmal kommen könnte hätte ich mir wohl nicht vorstellen können, hatte ich meine Erfolgschancen doch wohl eher beim Halma oder Canasta spielen gesehen. Leider bleibt das eigentliche Ziel unerreicht, aber gehen wir ein paar Tage zurück…

Der Dähnepokal ist ein deutschlandweit ausgetragener Einzelwettbewerb im Schach, welcher auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene ausgetragen wird. So dachte ich mir im letzten Jahr, da kann ich doch auch mal mitmachen. Kann ja nicht schaden. Leider verlief die Qualifikation im Bezirk 3 ziemlich holprig: Hatte ich gegen Schachfreund Dorr aus Goslar noch auf Biegen und Brechen gewonnen, so sah es gegen Ingram Braun im Finale schon deutlich schlechter aus. Ich kam nie so richtig in Schwung und musste mich verdient geschlagen geben. Eine Analyse der Partie könnt ihr auf der Homepage von Ingram ansehen, bitte denkt dabei nicht so schlecht von mir 😉

So hatte ich das Bezirksfinale verloren. Doch wie es der Zufall will war Südniedersachen in diesem Jahr einer von zwei Bezirken mit zwei Startplätzen und so konnte doch noch am Landesfinale teilnehmen. Und das wurde am Wochenende in Lehrte ausgetragen. Folgendermaßen wurden die Paarungen von Jörg Tenninger vor Ort ausgelost:

Viertelfinale, 10.09.2016

Christian Hachtmann – Ingram Braun 1-0

Christoph Rauber – Wolfgang Klettke 0-1

Heiko Schlierf – Yannick Koch 0-1

Jürgen Waldschläger – Andreas Graetsch 1/2 – 1/2  (Andreas Graetsch gewinnt Schnellpartie)

Nun gut, ich war etwas zu spät beim „Haus der Vereine“ in Lehrte angekommen. Ich hatte schon Befürchtungen ich dürfte nicht mehr mitspielen, hatte ich doch schon einige Vorfälle bei offiziellen Meisterschaften erlebt wo es (fast) dazu gekommen wäre. Aber keine Panik, man hatte noch nicht angefangen und wartete bis alle Bezirksvertreter angekommen waren. Ich durfte mit Schwarz ran, gegen Schachfreund Schlierf aus Bezirk 6. Aber auch an den anderen Brettern waren bekannte und gefürchtete Gesichter zu sehen.

Gestärkt von meinen letzten Erfolgen in meinen Schwarz-Partien (immerhin 3 aus 3 gegen einen Schnitt von > 2000) ging ich selbstbewusst in die Viertelfinalrunde. Und so war mein Sieg auch nie gefährdet gewesen. Eine solide Eröffnung gespielt und dann nach und nach Raum gewonnen. Gut, Fritz hat mir gezeigt wie man es hätte direkt gewinnen können, aber da mein Gegner kräftig mithalf wollte er sich das Turm/Läufer-Endspiel mit 5 Minusbauern nicht mehr zeigen lassen. Das war geschafft. An den Nebenbrettern ging es auch heiß her. In der Partie Braun – Hachtmann konnte Ingram in einer hochkomplexen Stellung in Zeitnot nicht die besten Züge finden und wurde eiskalt von Christian ausgekontert. Wolfang Klettke nutze eine Unaufmerksamkeit seines Gegners aus Bezirk 5 und opferte seine Qualität mit entscheidendem Mattangriff. In der letzten partie zwischen Jürgen Waldschläger und Andreas Graetsch wurden die Punkte geteilt, Andreas gewann jedoch den Stichkampf, der in Form einer Schnellschachpartie ausgetragen wurde.

Soweit so gut. Ich habe noch schnell auf die Paarungen gewartet, die Jörg Tenninger nach Beenden der letzten Partie ausloste. Dabei wurde stets neu gelost, unabhängig von Farbverteilungen.

Halbfinale, 11.09.2016

Wolfgang Klettke – Christian Hachtmann 1/2 – 1/2 (Wolfgang Klettke verzichtet auf Schnellpartie)

Andreas Graetsch – Yannick Koch 1/2 – 1/2 ( Yannick Koch gewinnt Schnellpartie)

Mhmpf, mir wurde schon wieder Schwarz zugelost. Aber da kommt wieder einer meiner Lieblingssprüche um die Ecke: „Man nimmt es wie es kommt.“ So richtig wohlgefühlt habe ich mich in der Partie dann nie. Man kann es wohl als Eröffnungsexperiment ansehen, was ich veranstaltet habe, eine Mischung aus allem was mir mal untergekommen ist. Erstaunlicherweise fand Fritz immer noch alles super was ich gespielt habe. Da es mir aber selbst nicht wirklich gefiel, habe ich nach 20 Zügen Remis gemacht, im Glauben wirklich schlechter zu stehen und mit dem Vertrauen der klare Favorit im Schnellschach zu sein.

So war es dann schließlich auch. Nach ein paar Minuten legten wir los, 15 Minuten Zeit mit vertauschten Farben. Ein paar ungenaue Züge in seinem Grünfeld reichten mir aus um seinen König in der Mitte festzunageln. Aus dieser Umklammerung konnte er sich dann nur noch durch Abgabe der Qualität retten. Dann gab er noch ein Racheschach und gab mir selbstbewusst die Hand herüber. War ich Matt? Nein, er hatte ein Schach ignoriert und das kostet bekanntermaßen im Schnellschach den ganzen Punkte … Nochmal gut gegangen.

Am Nebenbrett hatte Wolfang Klette vor der Partie bereits angekündigt auf das Finale oder einen Stichkampf verzichten zu wollen. Es ist scheinbar schwierig in Wolfenbüttel eine Wohnung zu mieten und musste noch dringen zu einem Termin. Nachdem Weiß die ganze Partie auf Remis spielte war die Punkteteilung auch das logische Resultat. Wolfgang konnte seinen Pflichten nachgehen und Christian war mit mir im Finale. Wir waren früher fertig mit dem Halbfinale und mussten uns natürlich nicht an den Zeitplan in der Ausschreibung halten. So fingen wir um 14:30 an. Der Lehrter Schachfreund Heinrich Bedürftig, der als Zuschauer aktiv war, durfte dann die Losfee für die Farbverteilung spielen. Hatte ich dieses Mal Glück bei der Auslosung? Natürlich nicht, das dritte Mal mit Schwarz in der Finalpartie. Trotzdem bewerte ich die Chancen in etwa ausgeglichen.

Finale, 11.09.2016

Christian Hachtmann – Yannick Koch 1-0

Man kann es nur als würdigen Abschluss bezeichnen, was im Finale passiert ist. Ein Kampf sondergleichen. Nachdem ich mit ansehen musste, wie Ingrams Sizilianer in der ersten Runde mit schönem Gambitspiel auseinander flog, entschloss ich mich gegen Christian dann doch die Hamelner Allzweckwaffe zu benutzen. Nachdem Weiß die Eröffnung ziemlich ungenau spielte konnte ich im weißen Lager einige Schwächen schaffen und die Damen tauschen. Der Vorteil des Weißen war dahin. Und vielmehr konnte ich langsam in seine Stellung eindringen und meine Springer auf den Vorposten parken. Als ich dann auch noch einen gedeckten Freibauern schaffte und den Turm auf seiner 2. Reihe platzierte war ich mir eigentlich siegesgewiss. Nach 40 Zügen bekam ich noch einmal 30 Minuten Zeit und durfte mir überlegen wie ich das jetzt verwerten würde. Leider habe ich 20 Minuten überlegt und dann genau die Variante gewählt, die allen Vorteil über Bord wirft, sonst wäre es ja auch langweilig. Hatte er mir doch auch noch Remis geboten, was ich nicht wollte.

Die Stellung war eigentlich hinüber, so oder so und das war mich auch bewusst. Mit dramatischer Zeitnot und Hilfe des Gegners konnte ich zwar dann noch eine Damenumwandlung erzwingen, meine Zeit hatte aber etwas dagegen und ich verlor die wahrscheinlich remise Stellung durch Plättchenfall. Zusammengefasst eine Partie in der ich bis ins Endspiel das bessere Spiel zeigte, ich es aber leider nicht über die Zeit bringen konnte. Damit dürfte es mir wie meinem Lieblingsverein gehen, der gestern das selbe durchlebte. Folgend noch die Partien, aufgeteilt in 3 Teile da meine Kommentare HTML überfordert haben.

Was bleibt? Es war (auch für die Zuschauer) ein spannendes und packendes Finale, das über die komplette Zeit ging. Solche Partien, dafür spielt man ja Schach. Mittlerweile hat sich der Schock schon gesetzt. Und, ich hatte es am Anfang schon erwähnt: Ich darf als Finalist beim Deutschlandfinale des Dähnepokals nächstes Jahr im Juni mitmachen. Das wird bestimmt ein Highlight, da allein schon das Niveau deutlich höher sein wird als bei den Landesfinals. Die Qualifikation zur Landesmeisterschaft ist zwar gescheitert, aber: so what.

 

2 Kommentare

Kommentar verfassen