Hameln vernascht Werder Bremen mit 5,0:3,0

Die erste Saison nach dem Aufstieg ist vorbei. Als nominell schwächste Mannschaft belegten wir Platz 5 in der Abschlusstabelle. Was für ein Erfolg. Doch drehen wir die Uhr ein wenig zurück.

Obwohl Werder Bremen sein Lieblingsverein ist, konnte Adrian am letzten Spieltag nicht die Fahrt an die Küste antreten. Was ja eigentlich schade ist, konnte er somit nicht unseren glorreichen Triumph miterleben. An unseren Spielabend bei Kai mussten dann die Mannschaftsführer wieder ausknobeln, wer als Ersatz in der Ersten spielen sollte. Wieder flossen Tränen und Oliver schmiss sich auf den Boden ;-), weil die Zweite ihren entscheidenen Wettkampf gegen Wolfsburg hatte. Da wollte er mit voller Kapelle antreten. Allerdings blieb wirklich nicht viel Auswahl für die Erste. Und 200,- EUR Strafe für ein leeres Brett wollten wir natürlich nicht bezahlen. Glücklicherweise konnten wir dann noch Henning aus der Dritten zu seinen zweiten Einsatz in der Ersten verpflichten. Vor knapp 15 Jahren hatte Henning schon einmal einen Kurzauftritt bei uns, damals mussten wir ebenfalls gegen Werder Bremen ran. Und er gewann seine Partie. Ein gutes Omen? Dann wurde noch die Fahrerfrage geklärt. Da ich die Strecke über die A7 in letzter Zeit ein paar Mal gefahren war, mahnte ich noch, dass wir pünktlich losfahren sollten. Die Baustelle war ein nicht zu unterschätzendes Hindernis auf dem Teilstück der A7.

Am Sonntag waren wir alle dann pünktlich um 08:30 Uhr am Treffpunkt. Alle? Ja, bis auf Matthias und Wilfried. Diese mussten noch mal mit den Wagen umdrehen, da Matthias sein Handy nicht mehr finden konnte und noch mal suchen musste. Gut, man muss dabei wissen, dass Matthias Kai als „größter Stoffel“ der ersten Mannschaft in Rekordzeit abgelöst hatte. 😉 Gut war natürlich, dass Achim uns informierte und so fuhr ich mit unseren Mannschaftsführer Dennis + Yannick und Henning los. Ach… fast hätte ich es vergessen. Matthias fand sein Handy. Es war dort, wo es hingehört – wie immer in die hinteren Hosentasche. Bei der ersten Suche hatte er es einfach übertastet. 😉

Die Fahrt nach Bremen war ziemlich ungemütlich. Es regnete fast die ganze Zeit über und die Baustelle auf der A7 zog sich in die Länge. Nur gut das wir Henning dabei hatte. Als Beauftragter der Bauübersicht für Autobahnen (auch wenn es nur für NRW ist), konnte er einige interessante Sachen über die Vorschriften und Bautätigkeiten berichten. Allerdings der Klugschiss des Tages kam zum Schluss von Yannick, als wir in Bremen waren. Bremerhaven und Bremen haben die gleichen Autokennzeichen, also sie fangen sie beide mit HB an. Wie unterscheidet man aus welcher Stadt sie kommen? …ganz einfach, die Autofahrer aus Bremerhaven haben nach dem HB einen Buchstaben vor der Zahl, die Bremer haben zwei Buchstaben. Aha, dann kann ich nun die Eine-Million-Quizfrage bei „Wer wird Millionär“ knacken. 😉

Pünktlich 25 Minuten vor dem Anpfiff kamen die Insassen des ersten Autos ins Spiellokal. Dabei konnten wir gleich feststellen, dass neben Werder 3 auch die 2.Bundesliga-Mannschaft gegen St.Pauli spielen würde. Schön, dann konnten wir nebenbei auch noch richtig gutes Schach ansehen. Unsere anderen vier Rattenfänger kamen auch recht pünktlich an. Ich möchte nicht wissen, wie schnell Frank auf der Autobahn gefahren war. Ein Blick auf die Aufstellung verriet, dass unser Gastgeber auch nicht in Bestbesetzung antreten konnte. So waren die Mannschaften fast ausgegelichen, vielleicht ein Hauch besser für Bremen. Doch wie sagte ich es schon immer. „ELO-Zahlen spielen kein Schach.“ Also ran an die Partien. Ohne Computerüberprüfung 😉

SV Werder Bremen III 3 − 5 Hamelner SV
1 Kardoeus, David 0 : 1 Bode, Wilfried
2 Steffens, Olaf 0 : 1 Tonndorf, Matthias
3 Lai Hop, Duong 1 : 0 van Son, Lutz
4 Elmali, Timur ½ : ½ Renner, Kai
5 Krallmann, Matthias ½ : ½ Schmidt, Dennis
6 Brinkmann, Fabian 0 : 1 Gerstmann, Frank, Dr.
7 Franke, Reiner, Prof. Dr. 0 : 1 Koch, Yannick
8 Heldt, Nils-Lennart 1 : 0 Wehrmann, Henning

Nach knapp einer Stunde Spielzeit schweifte mein Blick über die Stellungen. Yannick stand schon auf Gewinn, Henning eine bedrohliche Angriffsstellung, Frank hatte sein Brett in Flammen gesetzt, die restlichen Spieler standen ausgeglichen. Außer vielleicht bei Kai, der einen schwachen Bauern in der e-Linie bekam. Das sah erst mal ganz gut für uns aus.

Nach einen bösen Eröffnungsfehler hatte Yannick seinem Gegner zwei Bauern abgenommen. Nun musste er sich entscheiden eine Figur gewinnen und die Stellung kompliziert machen, oder alles vereinfachen und ins gewonnende Endspiel gehen. „Play it simple“ sage ich immer wieder und diesmal beherzigte Yannick diese Vorgabe. Ein todgewonnenes Doppelturm + Springerendspiel mit 2 Mehrbauern entstand. Hätte Yannick früher vielleicht noch mal gewackelt merkt man doch nun, dass er einiges an Technik gelernt hatte. Eiskalt wurde der Vorteil verwertet ohne das sein Gegenüber eine Chance hatte. Klasse Partie, gut gemacht.
1,0 – 0,0

Es war schon verdächtig, als Frank einen Kanister mit Benzin ans Brett brachte. Schon kurz nach der Eröffnung brannt die Stellung. Hier war schon klar. Diese Partie wurde bestimmt nicht Remis ausgehen. Seinen König blieb in der Mitte und am Damenflügel begann der kombinierte Bauernsturm/Figurenangriff. Sein Gegner opferte die Qualität und versuchte am Königsflügel/Zentrum mobil zu machen und schob einen Bauern direkt vor den König. Zwar konnte Frank nun nicht mehr rochieren, doch er nahm den feindlichen Bauern als lebendigen Schutzschirm. Dann begann die Mattjagd mit Dame und Springer, die Frank dann gewinnbringend beenden konnte. Wieder einmal eine heiße Partie von Frank. Klasse gespielt.
2,0 – 0,0

Unser Mannschaftsführer Dennis hatte heute nicht so viel Druck auf den Kessel und sein Gegner tauschte eine Menge Figuren ab. Da blieb nicht viel übrig zum Angreifen. So wurde ein Remis vereinbart.
2,5 – 0,5

Bei Wilfried’s Partie überraschte sein Gegner mit einer sehr aggressiven Spielweise. Über die halbgeöffnete g-Linie drang ein Turm ein, doch nun konterte Wilfried seinen Gegner aus. Mit einer schönen Kombination wendete sich schnell das Blatt und Wilfrieds Streitkräfte bliesen zum Angriff. Da der feindliche Monarch nicht in Sicherheit gebracht werden konnte, wurde er schnell erlegt.
3,5 – 0,5

Der Drops war so gut wie gelutscht. Henning hatte eine Qualität für Angriff geopfert, Matthias hatte ein Endspiel mit einem Mehrbauer, Kai stand immer noch sehr gedrückt und ich hatte einen starken Angriff. Diesen Wettkampf sollten wir gewinnen.

Henning hatte eine tolle Angriffspartie aufs Schachbrett gezaubert. Seine Bauern marschierten am Königsflügel schon nach vorne, bevor sein Gegner überhaupt seinen Angriff koordinieren konnte. Dann opferte Henning eine Qualität und es sah danach aus, als ob sein Angriff von Erfolg gekrönt werden sollte. Doch im letzten Augenblick drang die feindliche Dame auf die Grundreihe ein und Henning musste verteidigen. Als dann auch noch ein Turm eindrang war das Matt nicht mehr zu verhindern. Schade, da war mehr drin gewesen.
3,5 – 1,5

Aus der Eröffnung kam ich sehr gut raus und hatte gleich die Initiative. Nachdem die Könige auf unterschiedlichen Seiten rochiert hatten, begann der Wettlauf der Bauern.Den gegnerischen Bauernsturm konnte ich locker abfangen. Nun war ich an der Reihe und es sah verdammt gefährlich aus. Mit Dame, Turm und Läufer trieb ich den feindlichen Monarchen in die Ecke, das Mattfeld vor Augen. Der Sieg war zum greifen nahe. Doch in zunehmender Zeitnot machte mein Gegenüber einfach weniger Fehler und konnte wichtige Angriffsfiguren tauschen. Völlig ungewohnt verlor ich die Kontrolle beim Blitzen und stellte unnötigerweise eine Figur ein. Das konnte ich nicht mehr aufholen. Mist.
3,5 – 2,5

Sollte es doch noch mal spannend werden? Kai hatte einen Bauern verloren und musste einen verzweifelten Abwehrkampf liefern. Allerdings hatte Matthias schon eingewonnenes Turmendspiel auf dem Brett.

Lange Zeit kämpften beide Seiten um die Initiative. Dabei konnte Matthias den strategieschen Angriff am Königsflügel abwehren und selber am Damenflügel angreifen. Nun wurden einige Figuren abgetauscht. Dabei gewann Matthias einen Bauern und wickelte in eingewonnedes Turmendspiel ab. Der Rest war Technik.
4,5 – 2,5

Brett 4: K. Renner (links) gegen T. Elmali (rechts)

Kai musste früh in der Eroffnung eine Figur opfern, die er jederzeit wieder zurückbekommen konnte. Allerdings auf Kosten eines schwachen rückständigen Bauern. Nun musste Kai lange Zeit Druck,unendlich viel Druck ertragen. Doch schließlich gelang es dem Rattenfänger den Großteil der Figuren abzutauschen. Im Turm-Springerendspiel musste Kai dann einen Bauern abgeben und es entwickelte sich eine reine Abwehrschlacht. Doch Kai bewarte kühlen Kopf auch in der Zeitnotphase und konnte die Stellung Remis halten.
5,0 – 3,0

Jubel wir hatten den letzten Wettkampf auch gewonnen. Mit 8:10 Mannschaftspunkten belegten wir einen tollen 5.Platz. Damit hatte ich vor Saisonbeginn nicht unbedingt gerechnet. Und das obwohl wir nominell das schwächste Team in der Liga waren. Unser Vorteil war es, dass wir im Schnitt 7 der 8 Stammspieler ans Brett bekamen. Das hat geholfen. 🙂

Absteigen werden SG Bremen und Tempo Göttingen. Wohl auch Werder Bremen 3, da wohl die 2.Bremer Mannschaft in die Obereliga absteigen wird. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Es hat damit zu tun, wer aus der 1.Bundesliga absteigen wird und der letze Spieltag ist Ende April. Aufsteigen wird Lingen, welche Überraschung. Dafür steigen Oldenburg und Werder Bremen 2 ab. Die Aufsteiger sind Toestedt und Hannover 96.

Wenn man davon ausgeht, dass Lingen seine Spielstärke behalten wird, sollte es nur einen Absteiger geben. Das ist durchaus machbar. Hier sind unsere Einzelergebnisse zu bewundern. Frank und ich haben mit 5 aus 9 die meisten Punkte gesammelt. Auch Wilfried hat mit 4,5 aus 8 über 50% geholt. Eine klasse Leistung.

Wollen wir hoffen, dass es in der neuen Saison auch so gut laufen wird. 🙂

10 Kommentare

  1. Neue Kategorie, Sprüche raten. Von wem kommt’s?

    – „Gibts hier noch ein Mettbrötchen für den Technikteil?“
    – „Ich wüsste keinen Grund, warum wir nächstes Jahr nicht direkt in die 2. Liga aufsteigen sollten.“
    – „ Ein guter Titel wäre auch: wie Hameln 16 Werderanern aufeinmal das Licht ausknipste.“
    (Zur Situation als auf einmal jemand gegen den Lichtschalter gelaufen ist und alles dunkel war im Spielsaal)

      1. Kai nach dem Mannschaftsessen, als wir alle uns verabschieden wollte.
        „Lutz, das ist doch neu, dass du eine Brille trägst.“
        „Ja Kai, genau seit ungefähr 30 Jahren.“ 😉

    1. Ich gratuliere euch zu einer wirklich gelungenen Saison…

      @Yannick: nicht ganz so einfach, aber ich würde mal tippen auf:
      1.sehr schwer, vielleicht Matthias,
      2.eigentlich ein typischer Kai, könnte aber durchaus auch von Matthias stammen
      3.der muss eigentlich von Willi stammen…

    2. Ja mit 3 gegen einen Bauern im Turmendspiel (alles auch noch optimal plaziert) und 50 Minuten auf der Uhr kann großer Hunger ja fast das größte zu bewältigende Problem sein…

  2. Glückwunsch zum Klassenerhalt. Eine kleine Anekdote zur Anreise eurer beiden Spitzenspieler. Wenn 2 “ Landeier“ die Metropole Bad Pyrmont verlassen und ohne Navigationshilfe auskommen müssen, dann kann es schon mal sein, dass man auch deshalb umkehren und sich den Weg erklären lassen muss. Waren ja auch noch nicht allzu oft da.

    1. Ein paar Punkte hast du ja auch gutgemacht. Schöne Sache. Da muss ich wohl doch mal wieder mehr Turniere spielen, damit du nicht noch weiter an mir vorbeiziehst.

  3. Schöner Bericht, Lutz. Danke mal wieder für das Schreiben und Verarbeiten der Eindrücke! Mich freut es sehr, dass wir den letzten Kampf mit einem Sieg abgeschlossen haben. Da kann die neue Saison doch nur mit dem gleichen Ergebnis starten… Oder? 😉

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