Erfolgreicher Saisonstart für die Rattenfänger: „Not gegen Elend“-Duell entscheidet den Wettkampf

Aus dem Tagebuch eines Schachspielers…

Neue Saison, neue Herausforderungen. Nachdem SF Frank Gerstmann uns verlassen hatte, glich die Suche nach seinem Nachfolger einem Drama. Schlussendlich konnten wir mit Felix einen gleichwertigen Spieler aus unserer 2. Mannschaft verpflichten. Wieder wurde einer meiner ehemaligen Padawan-Schüler Stammspieler unserer Premium-Mannschaft. 🙂 Kai hatte wieder alle Mann an Board bekommen, allerdings konnten wir nicht in der gewohnten Spielstätte antreten, sondern mussten ins FiZ ziehen. Wie sich später herausstellte auch ein sehr schönes Spiellokal. Am Spieltag selber, holte ich noch den Schiedsrichter vom Bahnhof ab. Da unsere Gastmannschaft auch pünktlich eintraf, konnte der Wettkampf zeitnah beginnen.

Spiel mit Aussicht – Blick vom Spiellokal am 1. Spieltag

Ein Blick auf die Aufstellung versprach einen spannenden Wettkampf. Da zwei Stammspieler unserer Kontrahenten fehlten, war die Ausgangslage einigermaßen ausgeglichen. Zwar lagen wir an den ersten 5 Brettern ELO-mäßig hinten, dafür hatten wir einen ELO-Vorteil an den letzten drei Brettern. Aber wie sage ich immer: „ELO-Zahlen spielen kein Schach.“ Die Spiele mögen beginnen. Also ran an die Partien OHNE Computerüberprüfung!

Hamelner SV 4½ − 3½ MTV Tostedt

1. 2343 FM Wilfried Bode ½ : ½ IM Albert Bokros 2471
2. 2171 FM Matthias Tonndorf ½ : ½ IM Adam Szeberenyi 2387
3. 2153 Kai Renner 0 : 1 Dusan Nedic 2308
4. 2144 Lutz van Son 1 : 0 Kevin Högy 2255
5. 2058 Dennis Schmidt 0 : 1 Wilfried Härig 2152
6. 2109 Yannick Koch ½ : ½ Robin-Kevin Krüger 2037
7. 2211 FM Adrian David 1 : 0 Mathias Feist 2107
8. 2082 Felix-Hagen Jacobi 1 : 0 Patrick Paufler 1701

Yannick spielte eine lahme Partie, in der keine Seite einen nennenswerten Vorteil erspielen konnte. Tausch, Tausch, Tausch und Remis. Mhh… schade um die Weißpartie. Aber dafür konnte Yannick noch ein paar schöne Fotos machen.
0,5 – 0,5

Bei Adrian sah es von Anfang an ganz gut aus. Eine harmonische Stellung ohne Schwäche. Doch sein Gegner wollte zu viel und griff an. Das ließ sich Adrian nicht zweimal sagen und konterte ihn wunderbar aus. Der erste Sieg in der neuen Saison war perfekt.
1,5 – 0,5

Adrian im typischen St. Pauli-Outfit – nutzte die Fehler seines Gegners eiskalt aus

Felix eröffnete seine erste Partie als Stammspieler der Ersten mit seiner üblichen kreativen Eröffnungsauswahl. Das ließ die Bedenkzeit seines Gegners schnell abschmelzen. Dann lächelte ein Bauer Felix an, den er natürlich nahm. Danach entfesselte der Rattenfänger ein Sturm epischen Ausmaße. Links wie rechts griffen seine Streitkräfte an. Hier eine Springergabel, dort der Einbruch der Dame auf f7. So viele Drohungen konnten nicht mehr pariert werden und sein Gegenüber gab auf. Toll gespielt Felix. 🙂
2,5 – 0,5

Felix gab einen einwandfreien Oberliga-Einstand

Unsere hinteren drei Bretter hatten 2,5 Punkte geholt. Lag heute eine Sensation in der Luft?

An den anderen Brettern sah es sehr unterschiedlich aus. Dennis und Matthias sahen ganz gut aus. Bei Wilfried und Kai sah es ausgeglichen aus. Nur bei mir drohte schon früh der Totalausfall.

Kai spielte eine solide Partie. Nach einigen Tauschaktionen bekam Kai dann allerdings einen schwachen Bauern, der ideal als Angriffsmarke herhalten musste. Alle Figuren griffen ihn an, alle Figuren deckten ihn. Man sah schon kommen, dass das nicht lange gut gehen konnte. So musste der Hamelner den Bauern opfern und in ein schlechtes Endspiel gehen. Das gewann sein Gegner souverän.
2,5 – 1,5

Kai stand vor einer schwierigen Verteidigung – dieses Mal musste er seinem Gegner gratulieren.

Bei Dennis entwickelte sich schnell eine interessante Partie. Die Könige rochierten in unterschiedlichen Ecken und schon begann der Bauernsturm auf beiden Seiten. Fast gleichzeitig erreichten die Bauern ihr Ziel, doch konnte Dennis mit einem schönen Qualitätsopfer als erstes dem feindlichen Monarchen an den Kragen gehen. Schön mit Springer und Dame wurde ein Mattnetz geknüpft, das sein Gegner gerade noch zerreißen konnte. Da übersah Dennis den entscheidenden Gewinnzug, es war wohl die Bedenkzeit, die ihm ein Strich durch diese tolle Partie gemacht hatte. Der Angriff wurde abgewehrt, die Damen getauscht. In der Zeitnot wurde dann seine Stellung aufgerollt. Schade, schade eine spannende Partie mit falschem Ausgang.
2,5 – 2,5

Die Partie von Dennis mit seinen Kommentaren könnt ihr hier nachspielen:

Dennis stand kurz vor einem Sieg, verpasste aber den richtigen Moment zur Kombination

Der schöne Vorsprung dahin. Nun kämpfte das Trio um zumindest einen Mannschaftspunkt zu bekommen. Matthias hatte das leicht bessere Endspiel, Wilfried das schlechtere Endspiel und ich hatte meine Partie wieder in den Ausgleichsbereich geführt.

Alles war drin, die Spannung steigerte sich minütlich.

Bei Matthias ging es gleich zur Sache. Beide Seiten versuchten die Initiative an sich zu reißen. Dabei konnte Matthias am Damenflügel den richtigen Hebel ansetzen und seine Figuren besser platzieren. Nun hieß es die Gewinnversuche durchzusetzen. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Immer wieder konnte sein Gegner die richtigen Paradezüge finden, so wurde die Punkteteilung vereinbart.
3,0 – 3,0

Matthias spielte eine gewinnträchtige Partie, kam aber am Ende nicht über eine Punkteteilung hinaus

Bei Wilfried hörte ich immer wieder „oha“, „natürlich“ und „mhhhh“. Ein böses Vorzeichen? Wilfried musste sehr viel Druck ertragen und spielte eine findige Verteidigung. Im Mittelspiel habe ich nicht viel verstanden, was beide Spieler taten. Sollten die Bauern nicht den eigenen König schützen? Jedenfalls husch, husch und alle Bauern waren vor dem König verschwunden und Leichtfiguren ersetzten sie. Der Übergang zum Endspiel sah sehr gefährlich für den Hamelner aus und ich dachte schon, dass es am Damenflügel zum Durchbruch kommen würde. Doch Willi konnte erfolgreich die Remisklammer setzen. Fein gespielt.
3,5 – 3,5

Wilfried – tief versunken in der Stellung. Er lieferte eine bravouröse Verteidigungsaufgabe ab.

Nun musste das „Not gegen Elend“-Duell den Wettkampf entscheiden. Schon bevor die Partie losging, stellte ich meine Medikamente auf den Tisch. Eine blöde Männergrippe hatte mich ein paar Tage vorher erwischt. Doch von meinem Gegenüber hörte ich auch einige schniefende und röchelte Geräusche. Ein Blick reichte, sogar ein bischen mehr Präparate zierten seine Spielhälfte. Na immerhin kämpften wir heute beide mit stumfpen Waffen, dachte ich mir. So begann die Partie. Die Eröffnung sah noch ganz gut aus, doch der Übergang ins Mittelspiel endete fast im Desaster. Meine Konzentration verflog und jeder Zug von mir wurde von meinem Gegner richtig gekontert. Meine Springer liefen hilflos über das Brett und suchten eine vernünftige Unterkunft. Mir schwante eine schnelle Niederlage. Doch mein Gegner unterließ den einen gewinnträchtigen Bauernzug und so konnte ich meine Verteidigungsstellung konsolidieren. Zwar drang die feindliche Dame in meine Stellung ein, doch mit dem rechtzeitigen Luftloch für meinen König stellte ich mich auf einen harten Verteidigungskampf ein. Doch unverhofft kommt oft. Eine Ungenauigkeit nutze ich für einen Turmeinschlag auf a7. Das Turmopfer konnte wegen Matt nicht angenommen werden. Nun schwang das Pendel auf meine Seite. Mit Dame und Turm auf der 7. Reihe setzte ich den gegnerischen König das Messer an die Kehle und Schwarz musste sich verteidigen. Nun schnell mal den zweiten und dritten Bauern gewonnen und die Zeitnot konnte kommen. Hier opferte ich noch meinen Läufer um den Damentausch zu erreichen und meine Bauernstruktur zu verbessern. Mit 5 Freibauern gegen den armen Läufer konnte nur eine Seite gewinnen. Der Rest war Technik, obwohl ich nicht den schnellsten Gewinnweg spielte. Aber wenn man schon so eine tolle Stellung hat, möchte man sie auch genießen. 🙂
4,5 – 3,5

Die entscheidende Partie von Lutz könnt ihr hier nachspielen.

Lutz war der Matchwinner und holte den entscheidenden Punkt

Jubel. Wir haben unsere Steinschleuder gut eingesetzt und einen Goliath erlegt. Das waren 2 Mannschaftspunkte, mit denen wir nicht gerechnet haben. Trotzdem müssen wir noch ein paar Punkte holen, um den Klassenerhalt zu sichern. Nach dem nächsten Spiel bei den SF Hannover wissen wir vielleicht schon deutlich mehr.

Was ist noch in der Liga passiert?

Zwei weitere Underdogs konnten gewinnen. Lehrte in Delmenhorst und Hellern bei den stärker einzuschätzenden Schachfreunden aus Nordhorn-Blanke. Nur der Lister Turm konnte seine Favoritenrolle gegen SF Hannover gerecht werden. Die Partie Kirchweyhe – Oldenburg wurde verlegt. Das zeigt, dass diese Saison wieder heftig werden wird. Hoffen wir, dass Werder Bremen 2 sich in der 2. Bundesliga hält, dann gibt es nur einen Absteiger. Sicher wird man 5 Punkte brauchen, um am rettenden Ufer zu sein.

Dann noch einige Fotos. Zwei stammen vom Schiedsrichter Ingram Braun, besten Dank noch mal. Den Rest hat Yannick gemacht.

6 Kommentare

  1. Ein toller Sieg zum Auftakt der Saison. Das tröstet mich ein bisschen trotz Niederlage… Die Saisonziele wurden bereits von Captain Renner korrigiert. 😉

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