DJEM 2013 Oberhof–Jetzt geht’s los …

Noch ist eine Nacht zu schlafen, doch eine gewisse Vorfreude und Nervosität macht sich so langsam bei allen Beteiligten bemerkbar. Christine ist etwas angespannt, Jan realisiert noch nicht so ganz, dass morgen das bislang größte und wichtigste Turnier seiner noch jungen Schachkarriere startet.

Bettina sei Dank, dass die neuen Oberhof Jacken und Christines Vereins-Pulli noch rechtzeitig zum Turnier fertig geworden sind. Sieht absolut cool aus und verschönert den NSJ-LEM Pulli ungemein Smiley:

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So, wir werden morgen gegen 13:00 Uhr in unser bislang größtes Abenteuer starten und nach Oberhof aufbrechen. Dort erwartet uns erst einmal die Eröffnungsfeier, die sicher wie in jedem Jahr ein absolutes Highlight wird. Mal sehen, mit welcher Hymne die niedersächsische Delegation einlaufen wird. Ich habe auf jeden Fall auch einen Vorschlag eingereicht. Na ja, schau’n ‘mer ‘mal. Am Sonntag startet dann das Turnier mit den ersten beiden Runden. Wir werden berichten. Vielleicht schaffen es die Kinder ja sogar bis ans Live-Brett. Das werden wir dann natürlich entsprechend ankündigen.

Tag 1, 18.05.2013

Nach einer regnerischen Fahrt durch Niedersachen öffnete sich in Thüringen der Himmel, pünktlich zur DJEM und wir erreichten Oberhof um 17:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein. Achim, Christine und Bernd Laubsch (unser Delegationsleiter und Jans Trainer während der DJEM) erwarteten uns schon am Eingang. Christine musst noch um ihren Platz im Mädchenzimmer losen, wir konnten schon unser Zimmer im 6. Stock beziehen. Traumhafter Blick auf den Thüringer Wald. Das kann man sich 8 Tage lang gefallen lassen. Nach einer kurzen Einstimmung durch den Delegationsleiter Bernd Laubsch ging es dann nach dem Abendessen um 19:30 Uhr zur Eröffnungsfeier.

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Nach der Einstimmung durch die Organisatoren dann das erste Highlight: Der Einlauf der Länderteams. Mein Vorschlag für das Einlauflied wurde leider ignoriert, stattdessen wurde ein mir unbekanntes Stück mit dumpfen Beats während des Fahnenschwenks durch die Boxen gehämmert. Balint Balazs und Madita Mönster waren als Fahnenträger nominiert. Michael S. Langer, unser NSV-Präsident und Vizepräsident des Deutschen Schachbundes sprach noch ein paar Grußworte. Dann wurden um 20:30 Uhr die deutschen Jugendeinzelmeisterschaften eröffnet. Weitere Impressionen sind hier zu finden.

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Dann das spannende Warten auf die Auslosung. Um 21:00 Uhr war es dann soweit: Jan spielt in der ersten Runde mit Weiß gegen Naemi Kurzweil aus Brandenburg an Brett 27. Na ja, mal schauen, wie er sich morgen schlägt. Christine erwischt die erwartete Gegnerin mit schwarz. Sie kämpft in einem reinen Mädchen-Turnier in der U18w. In der U10 treten Mädchen und Jungs gemeinsam an, werden aber getrennt gewertet.

Ein langer Tag geht zu Ende und ich schreibe im Dämmerlicht des Laptops noch diese letzten Zeilen. Jan träumt mittlerweile schon von Chessy und der morgigen Partie … Smiley.

Die Bilder und eigenen Impressionen des heutigen Tages reiche ich noch nach. Also morgen alle Daumen drücken, um 09:00 Uhr geht es los. Bei Christine schon um 08:30 Uhr

Tag 2, 19.05.2013

Um 06:30 Uhr klingelt der Wecker. Der Blick auf den nebelverhangenen Thüringer Wald ist jetzt noch eindrucksvoller:

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Pünktlich um 07:30 Uhr gehen wir zum Frühstück, Mal sehen, ob wir die Ersten sind. Doch weit gefehlt. Alles ist rappeldicke voll und wir können von Glück sagen, dass wir noch einen Sitzplatz bekommen. Das wir hier in einem Hotel sind, merkt man irgendwie nicht. In der Jugendherberge hat sich das besser angefühlt …. Nach kurzer Einstimmung durch Bernd gehen wir um 08:50 Uhr zum Spielsaal. Jan Gegnerin wird von Eltern und Betreuern auf Jan eingestimmt. Jetzt nur die Nerven behalten und das erste Spiel irgendwie nach Hause bringen. Es gibt noch eine kleine Einweisung für die Spieler, denn das Reglement ist sehr scharf: Verspätung wird beim ersten Mal mit einer Verwarnung, beim zweiten Mal mit einem sofortigen Spielverlust geahndet. Disziplin ist also gefragt. Auch wird hier eine Sophia-Regelung eingesetzt, d.h. man darf vor dem 20. Zug kein Remis anbieten, sonst wird die Partie für beide Spieler genullt. Die Bedenkzeit wird in der U10 im sog. Fischer-Modus durchgeführt, d.h. die SpielerInnen haben 75 Minuten Zeit für 40 Züge und bekommen für jeden Zug noch einen Zeitaufschlag von 30s. Nach 40 Zügen haben sie dann noch 15 Minuten für den Rest der Partie. Pünktlich um 09:00 Uhr werden die Bretter freigegeben. Jan spielt eine solide Eröffnung und gerät gleich nach den ersten Zügen in Vorteil. Ich verlasse den Raum nach 15 Minuten, denn in dieser Zeit ist eine kiebitzfreie Phase von 30 Minuten, in der sich weder Eltern noch Betreuer im Spielsaal aufhalten dürfen.

Hier ein paar Impressionen vor und während der ersten Runde in der U10:

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So, um 09:50 Uhr ist es auch schon vorbei. Jan kommt ins Foyer. Man sieht seiner Miene nicht an, ob er gewonnen oder verloren hat. Doch dann kann er es nicht mehr verbergen: Gewonnen! Der erste Punkt ist geholt und damit der Start in die DJEM vollends geglückt. Mal sehen, was Christine macht, die heute auch eine Doppelrunde spielt. Um 14:30 Uhr geht es für Jan weiter, sein Gegner wird noch ermittelt.

Christine hat nach fast 5 Stunden Kampf ein Remis gegen eine starke Gegnerin verbuchen können, doch es wäre sogar noch mehr drin gewesen. Trainer Ilja Schneider war dann auch nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, doch egal: Der erste halbe Punkt ist eingefahren.

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Am Nachmittag für Jan gleich großer Bahnhof: Am Livebrett 3 mit Weiß gegen den Setzlisten-Dritten Daniel Kopylov. Was für ein Hammer. Ich schaue mir die ersten drei Züge an und gehe dann zufrieden aus dem Spielraum. Bingo: So wollten wir es haben.

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Jan spielt großartiges Schach. Dann im 18. Zug die Chance auf sofortigen Sieg, doch Jan sieht den entscheidenden Zug nicht, der die schwarze Stellung sofort hätte zusammenbrechen lassen. Stattdessen verfolgt er einen falschen Plan, von dem er nicht ablässt. Er beißt sich an der schwarzen Verteidigung die Zähne aus und plötzlich erhält der Schwarze Gegenspiel. Mit einem Turmspieß gewinnt er die Qualität. Das zieht Jan sämtlichen Kampfgeist aus den Knochen. In Ehrfurcht vor dem DWZ starken Gegner gibt er die Partie auf, obwohl noch klare Remis-Chancen da sind. Was für ein Drama!

Doch das Fazit des 1. Tages fällt positiv aus. Ein schöner Sieg zu Beginn und eine (erwartete) Niederlage gegen des Setzlistendritten. Das kann sich sehen lassen.

So, sieht übrigens unsere Unterkunft aus:

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Christine verliert am Nachmittag ihre zweite Partie nach langem Kampf. Auch hier wäre wieder mehr drin gewesen. Mal sehen, was der morgige Tag bringt.

Tag 3, 20.05.2013

Das schöne Wetter ist leider verschwunden. Schon am Vorabend hatten wir kräftige Gewitter und Regenschauer, so dass auch die Nacht im 6. Stock etwas unruhig war. Der Wind pfiff uns ganz schön kräftig um die Ohren. Die heutige Runde bringt Jan an Brett 21 gegen Daniel Gelfenbaum. Ein unbekannter Gegner, der ebenfalls einen Punkt auf der Habenseite zu verbuchen hat. Jan spielt erstmals mit den schwarzen Steinen.

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Aus der Eröffnung kommt Jan gut heraus, so dass ich mich nach den ersten 15 Minuten in die Kiebitz pause verabschiede und im Hotelzimmer die Live-Partien auf den vorderen Bretter verfolge. Als nach 2 Stunden noch nichts passiert ist, bewege ich mich wieder zum Spielsaal. Zwei der ersten Bretter waren bereits wieder fertig. Jan spielt in seinem Raum noch mit ein paar anderen seine Partie. Eine weitere Stunde vergeht. Ich gehe nicht in den Raum, um Jan nicht abzulenken. Samanthas Mutter signalisiert mir, dass Jan noch ein Remis holen könnte … Dann die Mutter von Moritz Weißhäupel: “Jan hat eine Figur weniger, aber einen Bauern mehr … “. Nun hält es mich doch nicht mehr und ich riskiere einen Blick auf die Partie, als Jan gerade nicht im Raum ist. Hmm, zwei versprengte Bauern gegen einen Springer und einen Bauern. Das sieht nicht gut aus. Doch nach 3:20 h wendet sich das Blatt. Der Gegner übersieht den Gewinnweg und Jan gelingt es, den verbleibenden gegnerischen Bauern für seine zwei Bauern zu gewinnen. Remis! Puh, noch einmal Glück gehabt. Das hätte auch ins Auge gehen können. Fazit: Ein deutlich über seinem DWZ-Niveau spielender Gegner, der Jans kleine Unsicherheiten bestrafte und ihm verdient einen halben Punkt abknöpfte.

Das hat leider viel Zeit und Kraft gekostet. So bleibt nur wenig Zeit für Mittagessen und Vorbereitung auf die nächste Runde, denn um 14:30 Uhr beginnt schon die 4. Runde. Jan spielt erneut mit Schwarz an Brett 23 gegen ein nettes Mädchen aus Hamburg. Er ist müde von der ersten Partie und möchte eigentlich lieber Tischtennis spielen, aber wir sind ja zum Schachspielen hier Smiley.

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Jan reißt sich zusammen und auch sofort die Partie an sich. Diesmal keine Wackler. Souverän sammelt er zwei Bauern ein und wickelt kompromisslos in ein Bauernendspiel mit zwei Mehrbauern ab. Mit zwei Damen setzt Jan seine Gegnerin schließlich nach mehr als zwei Stunden Spielzeit matt.

Fazit: 2,5 aus 4 Runden und 1,5 Punkte aus den heutigen zwei Runden sind sehr ordentlich und können sich sehen lassen. Zur Belohnung bekommt er es morgen mit Till Heckmann aus Berlin an Brett 14 zu tun.

Das Freizeitprogramm kann sich auch sehen lassen: Heute war u.a. Klettern auf dem Programm und wir sehen, wir sportlich insbesondere die Mädchen aus der U10 sind:

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Christine konnte heute ausschlafen, denn sie hatte nur eine Partie um 14:30 Uhr zu spielen. Wieder spielte sie eine gewohnt sichere Partie, konnte aber keinen entscheidenden Vorteil erzielen. Dann nach fast 5 Stunden der Schock: Einzügig stellt sie eine Figur ein, was die Partie sofort beendet. So ein Mist! Christine ist beim Abendessen völlig fassungslos, ob dieses Fauxpas. Nun stehen nach zwei Tagen statt 2 Punkten nur ein halber Punkt auf der Habenseite.

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Die Kontrollen des DSJ-Teams werden mittlerweile schärfer. Mir wird untersagt, während der Runden noch Fotos zu machen. Auch werden Betreuer, Trainer und sogar Delegationsleiter, die ihren Ausweis vergessen haben, nicht mehr in die Spielsäle gelassen.

Morgen haben die U10er nur eine Runde, Christine spielt in der U18w zwei Runden. Ab 08:30 Uhr (U18w) und 09:00 Uhr (U10) heißt es wieder: Daumen drücken.

Tag 4, 21.05.2013

Heute werden in der U10 eine und in der U18w zwei Runden gespielt. Jan hat es mit Till Heckmann aus Berlin zu tun, einem Gegner mit deutlich höherer DWZ-Zahl. Die Partie von Jan ist wechselhaft. Vorteile schwanken auf beiden Seiten hin und her. In unklarer, aber ausgeglichener Stellung bietet Jan Remis an, was der Gegner ablehnt.

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Nachdem ein paar weitere Züge gespielt sind, bietet Till Jan Remis an. Jan ist zufrieden und nimmt das Remis an, ohne sich die Stellung noch einmal näher zu betrachten. Mittlerweile ist ein Gewinnstellung für Jan entstanden, was er aber leider nicht realisiert. So einigen sich beide Kontrahenten auf ein Remis.

Christine erlebt erneut ein Wechselbad der Gefühle. In ihrer Vormittagspartie stellt sie einen Turm ein und verliert die Partie kurze Zeit später. Am Nachmittag darf sie sich dann über den ersten vollen Punkt freuen, allerdings gegen eine sehr schwache Gegnerin. Doch der Grundstein für weitere Erfolge ist damit gelegt.

Tag 5, 22.05.2013

Heute stehen zwei Runden in der U10 und eine Runde in der U18w auf dem Programm.

In der Vormittagsrund hat es Jan mit Tom Linus Bosselmann zu tun. Aus der Eröffnung heraus kann keiner der beiden Kontrahenten Vorteile für sich verbuchen. Die Partie hält sich lange auf Remis-Breite. Es kommt zum Bauernendspiel in dem nur kleine Vorteile hin- und herschwanken. Doch Jan ist mit dem Remis nicht zufrieden und entschließt sich zu einem leichtfertigen Bauernopfer. Die Partie kippt, doch Jan hat Glück, dass sein Gegner das Endspiel nicht gut behandelt und wieder in eine Remis-Stellung überleitet. Doch damit nicht genug: Durch einen fehlerhaften Königszug steht Jan plötzlich wieder klar auf Gewinn. Ich hoffnungsloser Lage gibt der Gegner kurz vor dem Damenumwandlung auf.

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In der Nachmittagsrunde muss Jan gegen den jüngsten Teilnehmer ran: Jeremy Hommer aus Lüneburg, gegen den er schon auf den Landesmeisterschaften spielen musste. Durch diese Konstellation scheidet Bernd als Niedersachsen-Delegationsleiter zur Vorbereitung aus und ich muss Jan mit meinen bescheidenen Schachkenntnissen auf Jeremy vorbereiten. Jeremy hat das Glück, dass sein Heimtrainer auch anwesend ist und hier für ihn aushelfen kann. Die Partie wechselt nach der Eröffnung in ein völlig anderes Fahrwasser und Jan kann sich gut aufbauen. Mit zunehmender Spieldauer macht sich die größere Erfahrung von Jan bemerkbar und er kann durch einen taktischen Einschlag eine Figur gewinnen, wodurch die Partie schnell zu Gunsten von Jan kippt und er schließlich sicher gewinnt.

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Seit heute greifen auch zwei Großmeister in das Rahmenprogramm ein. Der beste deutsche Spieler  Arkadij Naiditsch und David Baramidze geben sich die Ehre in einem Schnellschach-Match und kommentieren dabei ihre eigenen Züge für das Publikum während der Partie. Damit die jeweiligen Gegner die Kommentare nicht hören können, sind beide mit Micky-Mäusen und Ohrstöpsel ausgerüstet. Ein sehr interessantes Event, das ein wenig in die Gedankengänge der beiden Großmeister Einblick gewährt:

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Christine spielt eine gute Partie mit Weiß, kann allerdings nicht mehr als ein Remis erzielen. Während der gesamten Partie können beide Gegnerinnen keinen nennenswerten Vorteil verbuchen, so dass sich beide auf ein Remis einigen.

Tag 6, 23.05.2013

Heute nur eine Runde in der U10 und U18w, die für alle um 09:00 Uhr beginnt. D.h. Massenbetrieb beim Frühstück Smiley. Beim alltäglichen Lesen des J’adoube Journals (der täglichen Zeitung der DJEM) dann ein bekanntes Gesicht: Christine hat ihr erstes Interview gegeben. Natürlich wurde sie auch nach ihrem Tipp für das CL-Finale gefragt und ihre Antwort war eindeutig auf die alte Heimat gemünzt. Na das wird Jan ja ärgern ….

Jan spielt heute erneut am Livebrett. Diesmal hat er es mit Benjamin Wagner aus Sachsen-Anhalt zu tun, seinem Trainingspartner vom TASI in Güntersberge.

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Jan ist perfekt auf den Gegner eingestellt und überrascht ihn bereits aus der Eröffnung heraus. Ich verfolge die Partie 15 Minuten zeitversetzt und übermittele Lutz die Zugfolgen per Email. Jan stellt sich aus der Eröffnung heraus sehr gut auf und entwickelt sich prächtig. Sein Gegner versucht den durch einen Figurentausch entstandenen Doppelbauern aufzulösen und öffnet dabei Jan eine Linie zum Damenangriff mit Schach. Der Gegner zieht ohne Grund die Dame dazwischen und ich sterbe fast beim Zusehen. Lc4!! und die Dame ist weg. Was für ein Hammer. Damit ist die Partie eigentlich rum. Doch ich weiß, dass bei der Internet-Übertragung 15 Minuten Zeitverzug vorhanden sind. Müsste Jan bei diesem Spielstand nicht längst fertig sein ? Ich komme ins Grübeln. Hoffentlich schießt er mit diesem Mega-Vorteil nicht noch einen Bock. Doch mein Misstrauen löst sich kurzfristig auf, als es energisch an der Zimmertür klopft. Dem Klopfrhythmus ist eine gewissen Euphorie zu entnehmen, was mich etwas beruhigt, als ich die Tür aufreiße. Dann das strahlende Gesicht von Jan: GEWONNEN! Damit schiebt sich Jan auf den 7. Platz in der Gesamtwertung vor. Da auch der Top-Favorit Vincent Keymer gegen Kevin Tong patzt, ist die Spitze nun wieder enger zusammengerückt. Vier Spieler stehen mit 6.5 Punkten ganz vorne, dahinter folgen weitere vier Spieler mit jeweils 6 Punkten und einer davon ist Jan.

Morgen bekommt er es mit Alexander Collin zu tun, ebenfalls einem Überraschungs-Spieler, den bislang niemand so vorne erwartet hätte. Jan spielt am Live-Brett vier ab 09:00 Uhr.

Christine erwischt heute einen nicht so guten Tag. Erneut muss sie mit den schwarzen Steinen gegen eine DWZ-schwächere Gegnerin die Segel streichen. Mit 2,5 Punkten aus 7 Runden läuft das Turnier etwas an ihr vorbei. Doch ihrer guten Laune konnte das keinen Abbruch tun. Beim Abendessen kam sie gutgelaunt mit Stefanie Düssler zum Niedersachsen-Tisch. Morgen geht es weiter und da heißt es, die negativen Eindrücke von heute einfach auszublenden.

Am Nachmittag kommt es dann zum traditionellen Biathlon-Wettbewerb der Bundesländer. Niedersachsen tritt in der Besetzung Michael Rinck, Jan Helmer, Andreas Helmer gegen die restlichen Bundesländer an, wobei Sachsen allein 5 Mannschaften stellt. Leider kann sich kein weiterer Niedersachse für ein zusätzliches Dreierteam einfinden. Wir laufen eine ordentliche Laufzeit von 2:18Min. und schießen dann mit den Laser-Gewehren wie aus einem Guss unsere 15 Schüsse fehlerfrei ins Ziel. Zu welchem Platz das gereicht hat, werden wir am Samstag bei der großen Siegerehrung erfahren.

Heute Abend läuft noch das Ü14 Turnier mit den beiden Großmeistern, die zusammen mit jeweils zwei Kindern in einem Blitzturnier antreten. Auch Ilja Schneider hat sich viel vorgenommen und möchte gerne einmal selbst wieder die Steine über die Bretter ziehen und dabei die Uhr drücken. Zusammen mit Jonathan  Carlstedt und Bernd Laubsch bildet er ein starkes Blitz-Team für unser Bundesland.

Wenn die Daheimgebliebenen Christine und Jan eine Freude machen wollen, so könnt Ihr Ihnen Glückwünsche oder Kurznachrichten übermitteln. Vor jedem Rundenbeginn liegen dann Zettel auf dem Platz mit entsprechenden Glückwunschtelegrammen.

Hier die Links für die Glückwunschübermittlung:

Glückwünsche an Christine

Glückwünsche an Jan

Als Alternative könnt Ihr auch Zeitungsgrüße unter dem nachfolgenden Link übermitteln. Dann haben wir morgens gleich etwas zum Frühstück. In der heutigen Ausgabe des J’adoube Magazins ist übrigens ein Interview mit Christine abgedruckt.

Zeitungsgrüße

Tag 7, 24.05.2013

In der U10 haben wir heute den letzten Doppelrundenspieltag. Jan spielt erneut am Live-Brett 4 gegen Alexander Collin, der z.Zt. die beste Buchholz-Zahl aufweist und bereits gegen Vincent Keymer und Kevin Tong remisiert hat. Jan spielt mit den schwarzen Steinen und ist bereits mit einem Remis gut bedient:

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Hier weitere Impressionen aus der U10:

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Jan spielt eine saubere Eröffnung und verteidigt sich gut. Es kommt zu einem massiven Figurenabtausch und Jan wickelt souverän in ein Bauernendspiel ab. Bei absolutem Materialgleichstand findet der Gegner kein Gegenspiel mehr und willigt schließlich in das Remis ein. Wieder ein halber Punkte gegen einen sehr starken Gegner. Das kann sich sehen lassen.

Zur Belohnung bekommt es Jan in der zweiten Partie des Tages gleich wieder mit einem schweren Brocken zu tun. Am Nachmittag spielt er um 14:30 Uhr gegen Justus Felix Graf am Live-Brett 3 erneut mit den schwarzen Steinen:

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Jan sieht sich erneut in der Defensive und muss eine Verteidigungspartie spielen. Er kommt gut aus der Eröffnung heraus, findet dann aber keinen so rechten Plan mehr und spielt einen unglücklichen Bauernzug, der ihn eine Figur kostet. Das zieht Jan erneut den Zahn in der Partie. Er spielt noch einige Züge weiter, gibt aber dann die Partie erneut wie schon gegen Daniel Kopylov auf, ohne seine Chancen auf Gegenspiel zu realisieren. Sehr schade!

Christine spielt an diesem Tag eine Runde gegen Ann-Kathrin Tettmann. Leider erwischt Christine heute erneut keinen guten Tag und verliert auch diese Partie. Für morgen heißt es noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und das Turnier mit einem Erfolg zu Ende bringen.

Tag 8, 25.05.2013

Heute beginnt der letzte offizielle Turniertag mit der 11. Runde in der U10 und der 9. Runde in der U18w. Jan spielt gegen den WM-Teilnehmer Kai Tschammer aus Bayern mit den weißen Steinen am Live-Brett 8 und kann mit einem Sieg noch einen Top-Ten Platz erreichen.

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Hier weitere Impressionen aus der U10-Klasse:

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Christine möchte das Turnier noch mit einer guten Leistung abschließen und spielt gegen Constanze Wulf mit den weißen Steinen.

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Jan ist hervorragend auf den Gegner eingestellt und überspielt ihn bereits aus der Eröffnung heraus. Doch kurze Zeit später sieht er eine Phantom-Drohung und stellt seinen König unnötigerweise in die Ecke. Ein schwacher Zug, der seinem Gegner sofort Gegenspiel bringt. Was ihm sein Gegner nun hingestellt hat, realisiert Jan erst nach einigen Minuten. Er rechnet und rechnet und die Zeit verrinnt. Ich beobachte im Hotelzimmer das Geschehen mit 15 Minuten Zeitversatz und muss feststellen, dass die Partie eigentlich verloren ist. Denn die Online-Engine zeigt mir an, dass die Partie mit –4 Punkten zu Gunsten von Kai Tschammer gewertet ist und der “beste” nächste Zug für Jan bedeutet, dass er seine Dame opfern muss.

10 Minuten vergehen, 20 Minuten vergehen, 30 Minuten vergehen. Ok, denke ich, er ist jetzt sehr traurig über seinen Fehlzug und lässt die Uhr runterlaufen, um dann auf Zeit zu verlieren. Ich schreibe schon die ersten Fazit-Mails an Trainer Lutz und warte darauf, dass es an der Hotelzimmertür klopft. “Ein schönes Turnier und mit 6,5 Punkten auch ein ganz gutes Ergebnis ….”. Es klopft an der Tür. Hmm, das ging ja doch schnell. Ich öffne die Tür: “Guten Tag: Zimmerservice!”. Mir schießt das Blut in den Kopf: “Nein, jetzt nicht, besser später”, herrsche ich das überraschte Zimmermädchen an. Ich schreibe meine Email weiter. 40 Minuten sind vergangen. Doch was ist das ? Nach 45 Minuten herrscht wieder Leben auf Brett 8. Jan hat gezogen und …. Sxd4!

Er hat tatsächlich die Dame hergegeben für den besten Zug. Wow! Damit habe ich nicht mehr gerechnet. Hat Jan sich doch noch nicht aufgegeben ? Der Gegner nimmt die Dame heraus und Jan greift hastig nach der zweiten Figur als Kompensation für die Dame. Leider wieder eine Ungenauigkeit, so dass auch noch ein Bauer fällt. Doch dieser fehlende Bauer öffnet erneut eine Linie und Jans Türme haben nur viel Platz, um den Gegenangriff einzuläuten. Nach einem schwachen passiven Zug des Gegners, traue ich meinen Augen nicht: Die Engine bewertet die Stellung ausgeglichen, trotz des erheblichen Materialnachteils. Das gibt es doch nicht. Nun gibt Jan alles und zeigt ein extrem großes Kämpferherz.

Mit extrem großen Material- und Zeitnachteil spielt er seine beherzte Partie weiter. Er wirft alle Figuren in den Angriff und stellt eine Drohung nach der anderen auf. So werden gegnerische Dame und König massiv bedrängt. Der Gegner kann ab diesem Moment nur noch reagieren und versuchen, Jans Angriffe abzuwehren.

Die Partie bewegt sich damit wieder auf Remis-Breite und schwappt in der Engine-Bewertung hin und her. Was für eine Dramatik. Jan lässt nicht locker und schnürt die gegnerische Stellung mehr und mehr ein.

Nach 3,5 Stunden Spielzeit klopft es dann wieder energisch an der Tür. Diesmal ist es wirklich Jan. Ich reiße die Tür auf und ein strahlender Jan steht mir gegenüber: “Ich habe gewonnen, er hat eine Gabel nicht gesehen und ich habe die Dame zurückgewonnen. Dann hat er sofort aufgegeben”. Wir schauen uns die restlichen Züge noch auf dem Live-Brett an und ich sehe, dass Jan nicht nur die Dame zurückgewinnt, sondern gleichzeitig den gegnerischen König noch in ein Mattnetz einwickelt.

Damit kann sich Jan über seinen 6. Sieg und insgesamt 7,5 Punkte aus 11 Partien freuen.

Dieses Ergebnis katapultiert ihn auf den 10. Platz in der Endwertung, ein kaum für möglich gehaltenes Ergebnis.

Nach dem grandiosen Sieg ist Jan immer noch nicht schachmüde und wir treten um 13:00 Uhr noch bei den deutschen Familienschachmeisterschaften an. Hier werden 5 Runden Schnellschach mit jeweils 15 Minuten Bedenkzeit gespielt. Jan spielt an Brett 2, ich muss mich an Brett 1 verhauen lassen. Gleich in der ersten Runde gegen Familie Baladjaev. Der Vater sieht “gefährlich” aus. Ich frage ihn: “Sie sind nicht zufällig Großmeister ?”, was dieser gleich verneint, aber verschmitzt lächelt. Nach weiteren Fragen beichtet er mir dann, dass er eine ELO von über 2000 hat. Na Prost Mahlzeit, das geht ja gut los. Ich halte mich ganz gut mit den schwarzen Steinen, spiele aber im Mittelspiel zu vorsichtig, so dass ich mich zum Schluss dem Angriff nicht mehr erwehren kann und in Zeitnot die Partie einstelle. Doch Jan hat uns zuvor schon mit 1:0 in Führung gebracht. In der zweiten Runde gewinnt Jan genauso souverän gegen Vater Hoffmann, während ich meine Partie gegen Sohn Hoffmann vergeige. Wieder 1:1. In der nächsten Runde können wir dann endlich einmal ein 2:0 gegen ein Geschwisterpaar einfahren. Doch in der nächsten Runde gegen Familie Schnabel müssen wir beide die Segel streichen. In der letzten Runde gegen das Geschwisterpaar Grund wieder das gewohnte Ergebnis: Jan gewinnt schnell und ich blamiere mich gegen einen Jugendlichen aus der U10. Damit landen wir mit 5:5 Brettpunkten im Mittelfeld.

Eine schöne Überbrückung der Zeit bis zur Siegerehrung, die um 18:00 Uhr beginnt und ein echtes Highlight werden sollte:

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Chessy hat es besonders auf die niedersächsischen Schachmädchen abgesehen und kommt aus dem Knuddeln gar nicht mehr heraus ….

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Geehrt werden in allen Altersklassen die ersten 5 SpielerInnen. Lediglich bei den U10 und U12 Jungen werden aufgrund der Größe des Teilnehmerfeldes die ersten 10 Spieler geehrt. So wird Jan auch noch mit einem Podestplatz für seine klasse Leistung geehrt:

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Nach der Siegerehrung kommt es noch zur Live-Übertragung des CL-Endspiels. Da Jan heute schon einen Bayern “verhauen” hat, ist der Dortmund-Fan nur begrenzt traurig, dass seine Mannschaft das Finale noch unglücklich verliert Smiley.

Tag 9, 26.05.2013

Heute steht nur noch die Rückreise auf dem Programm und … “lange” Ausschlafen Smiley. Bei strömendem Regen beladen wir unser Fahrzeug und machen uns um 11:00 Uhr auf den Weg zurück nach Bad Münder. Um 14:00 Uhr erreichen wir wieder die Heimat. Eine lange Woche voller toller Erinnerungen und Erlebnisse liegt hinter uns und die Erkenntnis, dass eine deutsche Meisterschaft schon etwas besonderes ist. Insgesamt haben die Niedersachsen den 3. Platz im Medaillenspiegel erreicht. 2 Deutsche Meistertitel, einen Vizemeistertitel und zahlreiche weitere sehr gute Platzierungen konnten wir in diesem Jahr auf der Habenseite verzeichnen. Darauf können wir im nächsten Jahr aufbauen, wenn es wieder heißt: “Der Berg ruft ….”

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13 Kommentare

  1. Vielen Dank, Moritz! Ich hoffe, dass noch viele andere Göttinger hier vorbeischauen. Ich schaue auch noch einmal, was Fiona so anstellt :-).

  2. Die erste Runde ist vorbei – Jan hat gewonnen und Christine gegen eine stärkere Gegnerin Remis gespielt. Ein toller Turnierbeginn. 🙂

  3. Jan mit 3/5 und Christine mit 2/5 sind beide noch gut im Soll. Gut gemacht. 🙂
    Wir drücken alle die Daumen das noch reichlich Punkte zusammen kommen.

  4. Das Daumendücken hat genützt.

    Jan fuhr heute zwei Siege ein und liegt mit 5 Punkten aus 7 Partien auf Platz 11. Damit darf er morgen wieder an den Live-Bretter spielen 🙂

    Christine konnte heute ein sicheres Remis erspielen und liegt mit 2,5 Punkten aus 6 Partien im hinteren Mittelfeld. Da ist noch genug Luft nach oben drin.

    Weiter machen. 🙂

  5. Tolle Leistung von Jan – weiter so.
    Christine nicht traurig sein – noch zwei gute Partien spielen und du hast ein brauchbares Turnier gespielt.

  6. Super Leistung von Jan !!! Das hat aus der Ferne ganz schön Nerven gekostet.
    Ein wirklich toller Erfolg. Weiter so Jan und die besten Glückwünsche aus Rheinland-Pfalz.

  7. Herzlichen Glückwunsch an Jan. Der 10. Platz und bester Niedersachse U10 ist eine ganz hervorragende Leistung.
    Das letzte Spiel war ein Nervenkitzel. Aber was für ein Kampfgeist. Wow!!!
    Wünsche weiter viel Erfolg.

  8. So, der Bericht ist jetzt vollständig! Vielen Dank an alle, die uns während der DJEM die Daumen gedrückt haben, die uns Grüße während der Meisterschaft übermittelt und die alle mitgefiebert haben. Es war ein tolles und unvergleichliches Event und alle, die das miterleben durften, können stolz sein. Super Organisation, tolle Betreuung und ein fantastisches Rahmenprogramm.

  9. Wie immer ein interessanter Bericht, schöne Fotos und Schnappschüsse, die Einblicke in den Ablauf des Geschehens ermöglicht haben.
    Mit Sicherheit für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis.!!!

  10. Schöner Bericht, gute Fotos – tolle Meisterschaft.

    Doch nicht vergessen – nach der DJEM ist vor der DJEM.

    Machen wir es nächstes Jahr besser. 🙂

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