Deutsche Pokal-Mannschaftsmeisterschaft 2020 – und wir sind dabei !

Eine lange Schachsaison biegt auf die Zielgerade ein. Die meisten unserer Saisonziele hatten wir schon erreicht. Die erste Mannschaft hat den Klassenerhalt in der Oberliga geschafft, die Blitzmannschaft hatte sich für die Norddeutsche Meisterschaft in Berlin qualifiziert, fehlte nur noch die Pokalmannschaft, die sich für das „Final Four“ qualifizieren konnte. Trotz dieser Doppel-, Dreifach- oder einfach gesagt Dauerbelastung freuten wir uns auf dieses Finale. Da die erste Mannschaft eine so hohe Spielmoral hatte, wurde wieder einmal die „nominell“ erste Garde zum Finale geschickt.

Gerne hätten wir das Finale in Hameln ausgerichtet, dann wären sicher auch mehr Fans zum Finale gekommen. Leider konnten wir den Regenbogen als Spiellokal nicht bekommen. So wurde das Pokalfinale von Werder Bremen ausgerichtet. Das ist schon ein toller Verein mit einem tollen Vereinsheim. Da sieht man schon wer dahinter steht. Man fühlt sich gleich auch ein wenig kleiner, Hameln ist halt doch nur ein Provinzverein. Die anderen beiden Teilnehmer waren die 2. Ligisten aus Lingen und unser Oberliga-Kontrahent aus Tostedt, der in der Saison schon mit etlichen ungarischen Titelträgern angetreten waren. Werden wir da überhaupt eine Chance haben? Für Kai stand das schon fest: „Wir holen den Pokal!“ Damit war alles gesagt.

Die Anreise verlief gut, Matthias und Wilfried per Bahn und ich nahm Kai mit meinen roten Blitz mit. Sehr pünktlich kamen wir in der Hansestadt an, fanden einen Parkplatz nahe dem Hotel und wollten unsere Zimmer beziehen. An der Eingangstür trafen wir Matthias, der schon eingecheckt hatte. Nun hieß es „Operation Bergziege“. Ich bin mir sicher, dass so etwas verboten ist. Die Neigung der Treppe war mindestens 60 Grad. Nur mit doppeltem Armeinsatz konnte ich meinen massiver Körper nach oben hieven. 😉 Dann ging es schon in Richtung Spielort. Das Gute war, dass das Hotel nur 5 Gehminuten vom Spiellokal entfernt war. Also ruckzuck hin und da wartete schon Wilfried. Wunderbar, wir waren komplett.

Die restlichen Mannschaften trudelten ein und man konnte sich schon ein Bild über die Mannschaftsstärke machen. Favorit waren die Gastgeber mit 2 IM und 1 FM und einer Durchschnitts-DWZ von 2271, dann war das noch Lingen mit 1 GM und 2 FM und einer Durchschnitts-DWZ von 2172. Tostedt hatte sein Sparschwein nicht geplündert und kam ohne ungarischen Spieler. Die „einheimischen“ Spieler kamen auf einen Durchschnitts-DWZ von 1858 und wir? Also 2 FM, mit Kai einem VM und ich war TM….. Taktikmeister 😉 Unser Schnitt lag bei 2184. Daher in der Setzliste auf Platz 2. Es gab eine realistische Chance etwas zu erreichen.

Nun bekam die Veranstaltung einen Hauch von Fußball-Championship. Die Auslosung begann. Zwei Gläser wurden aufgestellt. Erst wurde die Position ausgelost, dann die Mannschaft. Also mal ganz ehrlich, da hatte der Schiedsrichter ein bisschen zu dick aufgetragen. Aber ich will mich nicht beklagen, der Schiedsrichter zog die richtigen Lose und wir spielten gleich gegen Tostedt. Sehr gut, da waren wir klarer Favorit.

Hamelner SV 2½ : 1½ MTV Tostedt
FM Bode, Wilfried (2312) 0 : 1 (2139) Härig, Wilfried
FM Tonndorf, Matthias (2170) 1 : 0 (2015) Feist, Mathias
van Son, Lutz (2094) 1 : 0 (1695) Bieler, Janek
Renner, Kai (2161) ½ : ½ (1585) Thomas, Jeremy

Matthias konnte schon schnell in der Eröffnung eine Figur gegen drei Bauern gewinnen. Dann war es wie Tontauben schießen. Ein Bauer nach dem anderen fiel den Figuren zum Opfer. Es kam kurzzeitig Spannung auf, als ein gegnerischer Landwirt die vorletzte Reihe erreichte. Doch auch den konnte Matthias locker abfischen. Toll gespielt.
1,0 – 0,0

Das Schwierige gegen einen nominell so schwächeren Spieler zu spielen ist und war es, seriös zu spielen und ihn auf keinen Fall zu unterschätzen. Manchmal zuckte es schon in meinen Fingern, gleich die Keule rauszuholen. Doch ich schaffte es dennoch, erst alle Figuren zu entwickeln. Dann wurde eine Schwäche anvisiert und der Läufereinschlag brachte mich auf die Gewinnerseite. Schnell alle Verteidiger getauscht und Material nachgezogen. Sauber gespielt, Stellung nicht überzogen.
2,0 – 0,0

Kommen wir nun zu Kai und der Sache mit dem unterschätzen der Gegner. Also nach 20 Zügen hatte Kai locker Ausgleich und mehr erzielt. Raumvorteil und besseres Stellungsspiel. Das sah nach einem einfachen Gewinn aus. Ich habe nur 30 Sekunden weggesehen. Und dann sah ich das Unfassbare. Die Stellung war immer noch gut, aber irgendwie fehlte eine Figur auf Seiten des Rattenfängers. Kai wollte es zu schön machen und übersah ein Zwischenschlagen. Da war die Leichtfigur weg. Kurz vor der Zeitkontrolle bot dann der Gegner Remis an. Gut, Kai machte etwas Druck, aber kein Grund die Nerven zu verlieren. Und was macht Kai? Denk darüber nach wie er gewinnen kann. Ich wäre ihn fast ins Genick gesprungen, da Willi an Brett 1 schon extrem anrüchig stand. Nach ein paar Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, nahm Kai das Remis an.
2,5 – 0,5

Huhu – wir hatten gewonnen und standen im Finale. Gleichzeitig hatten wir das Ticket zur Deutschen Pokalmeisterschaft eingelöst. Im Jubiläumsjahr werden wir auf Bundesebene spielen.

Bei Wilfried wurde diesmal auch viel geboten. Erst kam Willi in eine sehr defensive Stellung und musste viel leiden. Der Gegner marschierte mit allen Truppen auf und Willis König musste um sein Leben zittern. Dann kam im Zentrum ein toller Gegenschlag. Der Gegner opferte einen Läufer für zwei Bauern, um mehr Öl ins Feuer zu gießen. Doch Feuerwehrmann Bode löschte alles und stand dann auf Gewinn. Die 30er Zugzahl war schon vorüber und beide Spieler spielten mit ihrer Bonuszeit. Dann passierte das Unglaubliche. Willi ließ seine Bedenkzeit ablaufen im Glauben, dass er die 40 Züge gespielt hatte. Nein, das war unnötig. Aber keine Angst wir haben nachher mit ihm das zählen bis 40 geübt. 😉 So was sollte natürlich nicht vorkommen.
2,5 – 1,5

Nachdem Werder Bremen dann Lingen mit 3,5:0,5 geschlagen hatte war klar, dass wir gegen Bremen das Finale spielen mussten.

Aber egal, wir waren ja schon für die Deutsche Pokalmeisterschaft 2020 qualifiziert. Am Abend haben wir dann einige Lokale besucht und die Bierqualität in Bremen kontrolliert. Ja passt so, sie schmecken. Einige Schachanekdoten wurden ausgetauscht und einen Plan für das Finale vorbereitet. Für Kai war die Sache einfach: „Jetzt will ich den Pokal holen!“ Pünktlich vor Mitternacht waren wir dann in unserem Hotel, haben die Steiltreppe überwunden und ins Bett gefunden. Am nächsten Morgen wurde erst mal lecker gefrühstückt und dann in Richtung Spiellokal gezogen. Wieder war alles sehr gut präpariert und das Finale konnte beginnen. Diesmal ging die Auslosung auch ruckzuck und die Spieler setzten sich alle ans Brett.

Hamelner SV 2 : 2 SV Werder Bremen
FM Bode, Wilfried (2312) ½ : ½ (2352) IM Joachim, Sven
FM Tonndorf, Matthias (2170) ½ : ½ (2313) IM Richter, Christian
van Son, Lutz (2094) 0 : 1 (2281) FM Charmeteau, Sven
Renner, Kai (2161) 1 : 0 (2139) Kardoeus, David

Matthias spielte wieder eine interessante Eröffnung. Nachdem eine Menge getauscht wurde musste Matthias mit Springer/Läufer gegen Turm und zwei Bauern spielen. Beide Seiten versuchten einen Vorteil zu erzielen, schafften es aber nicht. Daher Punkteteilung.
0,5 – 0,5

Bei Wilfried’s Partie wurde auch versucht seinen Gegner zu überraschen. Aber auch hier neutralisierten sich beide Seiten. Heute war hier kein Sieg zu holen.
1,0 – 1,0

Nun lag der Ball der Verantwortung auf meiner Seite. Von Anfang an entwickelten meine Figuren schönen Druck auf die gegnerischen Bauern. Doch mein Gegner konnte sich befreien und einen Konter am Königsflügel starten. Meine Bauernstruktur wurde geschwächt und mit einen schönen Springer-Damenangriff die entscheidende Kombination gespielt. Dabei verlor ich erst die Qualität und dann die Partie.
1,0 – 2,0

Damit war das Finale entschieden. Werder hatte gewonnen, mindestens durch Berliner Wertung, selbst wenn Kai gewinnen sollte.

Kai musste von Anfang an viel Druck ertragen. Doch mit viel Druck wird aus Kohle ein Diamant. Und so ähnlich kam es dann in der Partie. Es wurde viel abgetauscht, bis ein gefährliches Endspiel für den Heimspieler entstand. Doch nun wollte er zu viel, opferte einen Bauern, um mit seinen Freibauern durchzukommen. Kai, der im Prinzip seit den 45 Zug nur noch mit seiner Bonuszeit spielte, konnte aber geschickt alle Drohungen abwehren, die Damen tauschen und ins gewonnene Endspiel abwickeln.
2,0 – 2,0

Wir hatten dem Bundesligisten ein 2:2 abgerungen und nur durch Berliner Wertung verloren. Damit kann man leben. Das Spiel um Platz 3 gewann Lingen gegen Tostedt. Danach konnte die Siegerehrung beginnen, die ein bisschen mager ausfiel. Irgendwie hatte man vergessen den Pokal nach Bremen zu schicken und nicht mal eine Urkunde wurde verteilt. Das sollte nächstes Mal besser gemacht werden.

Ansonsten noch ein großes Dankeschön an unserer Gastgeber. Eine tolle Spielstätte habt ihr, das tolle Catering vor Ort. Matthias Hose hing am Anfang der Veranstaltung fast in der Kniekehle und bei Abfahrt passte sie wieder einwandfrei. 😉

5 Kommentare

  1. Schöner Bericht, Lutz.
    Es hat mal wieder viel Spaß gemacht vor allem auch die abendliche Vergnügungstour in Bremens Kneipen …
    … und das Ergebnis geht unterm Strich auch in Ordnung.

  2. Ach ja, das erinnert mich ein bisschen an damalige Mannschaftskämpfe in Jever, als wir einen Tag vorher angereist sind… 😉

    Danke für den amüsanten und anschaulichen Bericht, Lutz. Und Glückwunsch zum 2. Platz! Nächstes Jahr ziehen wir dann richtig durch.

    Aber jetzt erstmal auf die Quali zur Deutschen Blitz-MM konzentrieren.

  3. Moin Jungens,

    Ihr seid toll – Glückwunsch zum Vize-Pokalsiegertitel! Das hätte ja auch ganz anders ausgehen können. Schön, dass wir jetzt alle zusammen weiterkommen auf die Bundesebene.

    Und: sehr toller und witziger Bericht … Das mit der Bergziege hat mir besonders gut gefallen, ich glaube, das Hotel muss ich mir nochmal angucken.

    Grüße nach Hameln!

    Olaf

    PS Das Bild von Dennis oben mit der Tasse ist prima .. da bekommt man gleich wieder Kaffeedurst

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