Schlechte Stellungen und kaputte Schuhe – Hameln unterliegt Hildesheim

Aus dem Tagebuch eines Mannschaftsführers…

Wieder spielten wir im klassischen 2-3-3 System mit zwei Spitzen, einem Dreier-Mittelfeld und einer Dreier-Verteidigungskette. Aber diesmal wurden wir böse ausgekontert. Doch drehen wir die Uhren wieder ein paar Tage zurück.

Diesmal verstärkte uns Stephan, so dass wir fast mit der „Best-of-Mannschaft“ antreten konnten. Allerdings waren einige unserer Cracks nicht körperlich 100% fit, was man später bei den Partien sehen konnte. Alle Spieler waren aber dennoch rechtzeitig erschienen und der Wettkampf konnte pünktlich angepfiffen werden. Vorher ermahnte ich noch alle Spieler, sämtliche Mobiltelefone abzugeben. Meine Spieler kannten das ja zur Genüge und hatten deshalb fast alle keins mitgenommen. Doch erst mal gab es nur verstohlene Blicke. Wenig später klappte es dann besser und der kleine Schrank war voller Handys. Ich fragte mich schon immer, was nützt einem eigentlich ein abgeschaltetes Handy am Mann, wenn man Schach spielen möchte?

Die Aufstellung lautete:

Hamelner SV – Hildesheimer SV
1 FM Bode, Wilfried (2335) – Wiege, André (2063)
2 Renner, Kai (2140)- Höxter, Heinrich ((2058)
3 FM David, Adrian (2189) – Ermel, Dirk (2099)
4 van Son, Lutz (2076) – Hoffmann, Bernhard (2027)
5 Gerstmann, Frank (2069) – Raimann, Max-Günter (2028)
6 Schmidt, Dennis (1971) – Verhoef, Helge (1987)
7 Koch, Yannick (1918) – Schmoldt, Rüdiger (1964)
8 Rust, Stephan (2089) – Janhoff, Axel (1883)

DWZ-Schnitt: 2098 – 2014

Das sah doch vielversprechend aus. An 6 der 8 Brettern hatten wir einen DWZ-Vorteil. Alle wussten um was es ging. Doch wie sage ich immer: „Die DWZ spielt kein Schach.“ So fing ein ernüchternder Wettkampf an.

Meine Partie verlief recht monoton. Jeder Spieler baute sich auf einem Flügel auf, nur das mein Gegner sich weigerte zu rochieren. Zwar sah ich den geeigneten Sprengzug, doch mein Hochleistungsmotor wollte einfach nicht anspringen. Mich hatte eine böse Erkältung erwischt und wie es sich Tags darauf herausstellte noch eine Mittelohrentzündung. So wählte ich den einfachen Weg. Stellte mich vernünftig auf und bot Remis an. Was mein Gegner dann auch annahm.
0,5:0,5

Die Eröffnungswahl von Yannick gefiel mir nicht richtig gut. Die gesamte Partie verlief im Rahmen von +/- 0,1. Einfach ein paar Figuren getauscht, keine Spannung im Spiel gehalten und dann ein Remis vereinbart. Also in meiner Sturm-und-Drang-Zeit habe ich doch ein wenig risikofreudiger gespielt.
1,0:1,0

Nach zwei Stunden sah es noch sehr gut aus. Kai, Dennis und Stephan standen recht aktiv und ein voller Punkt war durchaus drin. Adrian hatte 30 Minuten mehr auf der Uhr und eine ausgeglichene Stellung. Frank und Wilfried hatten solide Stellungen, bei denen noch alles passieren konnte.

Auch Wilfried war nicht 100% körperlich fit, dass hatte man am morgendlichen Appetit gesehen. Dennoch gelang es ihm recht schnell mit Schwarz den Ausgleich zu erreichen. Doch zu einer gewinnträchtigen Stellung war es noch ein langer Weg. Nach einigen Bemühungen bot Willi Remis an, was sein Gegenüber gerne annahm. Schade, da wir an diesem Brett den größten DWZ-Vorsprung hatten.
1,5:1,5

Dennis kam ganz gut aus der Eröffnung raus. Ein Bauernopfer für einen gesunden Entwicklungsvorsprung. Allerdings fand sein Gegner immer die richtigen Züge und konnte alle Gewinnversuche erfolgreich abwehren. So musste der Hamelner mit dem Mindestziel auskommen und nur den Bauern zurückgewinnen. Nach einem Generalabtausch wurde in einer ausgeglichenen Stellung die Punkteteilung vereinbart.
2,0:2,0

Stephan hatte wieder seine Leib- und Magenvariante aufs Brett bekommen und griff heftig am Damenflügel an. Mehr und mehr drängte der Hamelner die feindlichen Truppen zurück, zertrümmerte die Bauernstellung und gewann schließlich einen Bauern. Sehr souverän tauschte Stephan das Material ab und schob seinen Freibauer nach vorne. Dieser sah schon die Touchdownzone zur Umwandlung. Doch was dann passierte, lässt sich nicht erklären. Mit einem Doppelfragezeichenzug griff Stephan heftig daneben und stellte einzügig eine Figur an. Völlig unnötig, weil er auch noch so viel Bedenkzeit hatte. Anders als sein Gegenüber, der mit heftiger Zeitnot zu kämpfen hatte. Schnell nahm der Hildesheimer die Figur raus, doch als der Bauer die vorletzte Reihe erreichte, machte er einen verhängnisvollen Fehler und stellte somit die Partie wieder ein. So konnte Stephan die Figur wieder gewinnen und ein gewonnenes Endspiel erreichen, dass er dann im Schnellverfahren gewann.
Puhhhhh … so ein Schreck zum Abend weckt wieder alle Leute auf.
3,0:2,0

Das Zwischenergebnis sah besser aus, als die restlichen drei Partien. Alle drei Hamelner standen schon sehr verdächtig bis verlustreif. Würde der Mannschaftssieg uns aus den Händen gleiten?

Frank hatte eine gute Eröffnungsstellung erreicht. Es entwickelte sich das übliche Spiel. Die feindlichen Truppen marschierten am Damenflügel auf, während sich seine Figuren am Königsflügel zum Königsangriff bereit machten. Doch diesmal konnte der Gegner als erstes sein Ziel erreichen und bekam einen Springerin die Stellung gespielt. Es wurde etwas kompliziert abgetauscht und eine sehr schwierige Stellung entstand für Frank. Sollte er versuchen den Angriff abzuwehren oder doch seinen Gegenangriff auf den König zu starten. Leider spielte sein Gegner nun einige gute Züge und Frank übersah einen wichtigen Verteidigungszug. So musste er eine Qualität opfern, doch die Stellung neigte sich mehr und mehr zu Ungunsten für den Hamelner. Die Verluststellung wollte er nicht lange spielen, so wurden die Segel gestrichen.
3,0:3,0

Diesmal hatte Adrian eine sehr interessante Partie auf dem Brett. Lange Zeit sah es eigentlich recht brauchbar aus. Außerdem hatte sein Gegenüber schon sehr viel Zeit verbraucht. Doch im entscheidenden Augenblick spielt Adrian zu passiv und so konnte eine Figuren- und Bauernwalze fast ungestoppt seinen König erreichen. Die Königssicherheit war nicht mehr gegeben und auch Fritz zeigte nun -4 Bauerneinheiten an. Es folgte die große Völkerwanderung des Köngis von g8 rüber zum Damenflügel verfolgt von den Schwerfiguren seines Gegners. Die erste Zeitkontrolle wurde erreicht und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann sein Monarch einen Dolch im Rücken spüren würde. Doch ein unglaublich schwacher Zug ließ Adrian die letzte Chance aufs Remis. Mit einem Turmopfer gelang es ihm ein Damendauerschach zu erreichen. Puhh … Schwein gehabt.
3,5:3,5

Alles hing nun an Kai. Aus der sehr guten Eröffnung hatte Kai einiges gemacht. Schöner Raumvorteil und gute Figurenstellung. Die Öffnung der g-Linie war vermutlich nicht der beste Plan, weil sein Gegner ebenfalls diese freie Linie mit beiden Türmen besetzten konnte. Dann geschah aber das Unglaubliche – mit einen simplen Springereinschlag gewann der Hildesheimer Material. Mit Dame + Bauer gegen Turm und Springer sah die Stellung schlimm für uns aus. Etwa so schlimm wie Kai’s Schuhwerk, die ebenfalls diesen Springereinschlag nicht überlebt hatten. 😉

Es litt nicht nur die Stellung, auch das Schuhwerk von Kai konnte dem Springereinschlag nicht trotzen.
Es litt nicht nur die Stellung, auch das Schuhwerk von Kai konnte dem Springereinschlag nicht trotzen.

Mit dem Mut eines angeschossenen Löwen kämpfte Kai weiter und gewann einen wichtigen Bauern am Königsflügel. Es entstand eine Stellung bei der tatsächlich bei leicht ungenauen Zügen noch die Remisbreite erreicht werden konnte. Das war allerdings schwer zu sehen und durchzusetzten. Der Hamelner versuchte mit den Springern lieber seine Verteidigung zusammen zu halten. Doch das misslang und die Partie ging verloren.
3,5:4,5.

Das war es wohl mit dem Aufstieg. Da Hannover wieder gewonnen hat, haben wir nun 4 MP Rückstand. Das aufzuholen wird eine Herkulesaufgabe. Nun ja, ich habe nun mit Jan und Ole zwei frische Kräfte nachnominiert. Mal sehen ob und wann die Youngster ihr Debüt in der Ersten feiern können.

2 Kommentare

  1. Schöner Bericht, Lutz. Immer wieder toll zu lesen, selbst wenn man dabei war. Das Bild mit den Schuhen geht mir nicht aus dem Kopf. Immerhin war das nach dem verlorenen Mannschaftskampf noch mehrere schöne „Lacher“ wert… 😀

    Auf Wunsch reiche ich auch gerne eine kurze Videoaufnahme von Kais Nachhause-Weg (mit den kaputten Schuhen) nach.

  2. Vielen Dank Dennis für das Einpflegen der Partien und dem Bild. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie beide Schuhe gleichzeitig kaputt gehen konnten. 😉

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