Dortmund, Demut und Durchbruch – Es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen

Aus dem Tagebuch eines Mannschaftsführers…

Es ist vollbracht. Der Bock wurde umgestoßen. Die Negativserie wurde beendet. Wir haben gewonnen! Doch drehen wir wieder die Uhr um ein paar Tage zurück.

Jeder, der vor kurzem auf die Bundesligatabelle geschaut hat, war verwundert warum gerade der BVB Dortmund als Tabellenletzte die rote Laterne trägt. So ähnlich ging es vermutlich auch den meisten Hamelner Schachspielern beim Anblick der Landesligatabelle Süd. Und so wie Dortmund ein kurioses Eigentor von Weltmeister Kramer brauchte, um zu gewinnen, brauchten wir die Unterstützung unserer Gäste aus Salzgitter. Für unseren dritten Wettkampf in der Landesliga Süd konnte ich, neben mir, die „Glorreichen Sieben“ verpflichten. Die Besten der Besten was Hameln zu bieten hatte. Diesmal sollte der Abwärtstrend gestoppt werden, auch wenn der aktuelle Tabellenführer aus Salzgitter anreisen würde.

Ein paar Minuten musste ich vor dem Spiellokal warten, bis endlich der Schlüsselmeister Oliver kam. Die Bretter lagen schon vom Samstagtraining auf den Tischen bereit, so musste ich nur noch die Uhren stellen, Partieformulare ausbreiten und die meisten Figuren aufstellen (das Brett von Kai hatte ich noch nicht geschafft). Alle Mitspieler trafen dann ca. 5-10 Minuten vor Spielbeginn im Spiellokal ein und Kai fragte tatsächlich als erstes, warum sein Brett noch nicht aufgestellt sei. Ein scharfer Blick von mir traf ihn. „Erst mal eine Partie gewinnen, dann stelle ich dir die Figuren wieder auf.“, so meine knappe Antwort. Unserer Gäste kamen ebenfalls pünktlich und wir konnten den Wettkampf um 10.00 Uhr beginnen.

Die Aufstellung lautete:

Hamelner SV – SVG Salzgitter

Bode, Wilfried – Tennert, Simon
Schirm, Friedmar – Lau, Siegfried
Renner, Kai – Othmer, Michael
David, Adrian – Lau, Udo
van Son, Lutz – Zeltwanger, André
Schmidt, Dennis – König, Sebastian
Kaiser, Gerhard – Hagemann, Sven
Rust, Stephan – Langenfeld, Stefan

An sieben Brettern hatten unsere Spieler eine höhere DWZ aufzuweisen – bis ca. 200 DWZ Punkte mehr – also gingen wir als klare DWZ-Favoriten in diesen Wettkampf. Doch wie sage ich immer: „DWZ-Zahlen spielen kein Schach.“ So sollte ein turbulenter Wettkampf beginnen.

Der Wettkampf begann mit einem Paukenschlag. Gerhard zeigte in der Vergangenheit seinen Schachschützlingen häufiger eine Musterpartie von mir zum Thema „Bauernsturm auf beiden Flügeln“, die ich böse verloren hatte. An kommenden Schachtrainings kann er nun eine neue Musterpartie zum Thema „Warum soll man die Dame nicht zu früh ins Spiel bringen“, „Warum sollte man Figuren entwickeln“ und vor allem „Warum sollte ich meine Dame nicht auf e4 einfach fangen lassen“. Nach 15 Zügen war der Spuk in Prinzip schon vorbei und wir lagen schnell in Rückstand.
0,0:1,0

Gut aus der Eröffnung kam Stephan und konnte ein wenig Druck aufbauen. Dann opferte sein Gegner ohne ersichtlichen Grund einen Springer auf f2 – mhhh, selbst nach langen Reinschauen konnte ich keinen plausiblen Grund erkennen. Stephan auch nicht und mit der Mehrfigur konnte er das Spiel recht zügig gewinnen. Ich denke daher kommt der Spruch „Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.“
1,0:1,0

Aus meiner Eröffnung kam ich ganz gut raus und konnte die meisten Figuren vernünftig entwickeln. Doch dann schlichen sich erst einige positionelle und dann noch ein böser taktischer Fehler ein. Der Bauernverlust im Zentrum war schlimm, danach spielte mein Gegner groß auf – nach einem „Karnickelfangschlag“ war mein König im Mattnetz gefangen. Der Rest war Technik.
1,0:2,0

Wieder lagen wir zurück. Würde es erneut ein böses Ende mit uns nehmen? Zumindest konnte ich nun die anderen Partien besser beobachten. Kai, Adrian, Wilfried und Friedmar standen recht ordentlich, auch wenn ich noch keinen wesentlichen Vorteil erkennen konnte. Dennoch hatten alle ca. 200 DWZ mehr auf ihrem Konto. Da müsste doch etwas zu holen sein. Bei Dennis gab es nur zwei möglich Ergebnisse, nachdem er alle Brücken hinter sich abgerissen hatte und voll auf Mattangriff spielte. Doch würde das reichen? Da war noch nichts entschieden – das würde wieder einmal eine knappe Kiste werden.

Diesmal bewies Kai ein besseres Zeitmanagement und hatte eigentlich immer mehr Zeit auf der Uhr als sein Gegner. Aus der Eröffnung heraus versuchten beide Spieler die Initiative zu bekommen. Wobei der Gegner im Zentrum seinen Bauern gut in Szene setzen konnte. Doch Kai konnte kontern und mit gutem Figurenspiel alles ausgleichen. Nach dem Abtausch einiger Figuren war die Kampfeslust scheinbar verschwunden und man einigte sich auf Remis.
1,5:2,5.

Nun kommen wir zur entscheidenden Partie dieses Wettkampfes. Dennis hatte sich einiges vorgenommen und spielte eine scharfe Variante. Die anstürmenden gegnerischen Truppen am Damenflügel schenkte der Hamelner wenig Beachtung. So gelang ein Bauer auf a3, der Turm drang auf b2 ein und gewann den Bauern a2. So schwebte über seiner Stellung immer der böse Freibauer auf a3. Dennis spielte, wie der Pokerspieler sagen würde, „All-in!“ und schmiss all seine Truppen auf die feindliche Königsstellung. Eine kurze Analyse mit Fritz ergab dann ein mehrfaches Wechseln der Gewinnstellung. Einige Gewinnzüge von beiden Seiten wurden nicht gespielt und eigentlich simple Gewinnstellungen böse misshandelt. Zum Schluss konnte Dennis trotz Zulassung einer neuen Dame mit einem klasse Turmopfer den gegnerischen König Matt setzen. Löblich zu erwähnen war auch seine gute Zeiteinteilung. Mhhh… hat das vielleicht etwas mit dem Gewinn der Partie zu tun? Na ja, glücklich den Ausgleich geschossen. Wir waren wieder im Rennen.
2,5:2,5

Für seine Verhältnisse spielte Friedmar eine ruhige Partie. In der Eröffnung hatte sein Gegenüber einmal die Chance mit seinem Springer einzudringen, sodass Friedmar sein Läuferpaar hätte abtauschen müssen. Als dies nicht passierte, spielte sein Gegner zu passiv. Es war dann ein Spiel auf ein Tor. Mit zunehmender Zeitnot passierten einige kleine Ungenauigkeiten, die der Hamelner ausnutze, um seine Truppen in die feindliche Stellung zu bringen. Kurz vor dem Todesstoß überschritt der Gastspieler die Zeit.
3,5:2,5

Das Blatt hatte sich tatsächlich gewendet, wir lagen vorne. Bei Adrian sah es noch komisch aus. Einen Minusbauer und zwei halbwegs offene Königsstellungen ließen noch keine genaue Vorschau zu. Und Wilfried hatte im Leichtfigurenendspiel einen Mehrbauern. Das könnte/sollte doch reichen.

Wilfried spielte gegen den amtierenden Niedersächsischen Meister eine sehr ruhige Partie. Hier mal einen Bauern nach vorne geschoben, dort mal eine Figur angegriffen. So einen richtigen Vorteil konnte keine Seite herausspielen. Es wurde ins Läufer-/Springerendspiel abgewickelt und dort konnte Wilfried seine wahre Stärke zeigen. Ein Bauer wurde gewonnen und eine Figur getauscht. Nach der Aktivierung des Königs war es ein kurzer Weg zum Partiegewinn. Sauber herausgespielt und keine Schwächen gezeigt. Klasse – wir hatten den Wettkampf tatsächlich gewonnen.
4,5:2,5

Bei Adrian war lange Zeit keine eindeutige Tendenz sichtbar. Beide Streitkräfte neutralisierten sich. In der Zeitnotphase ist dann bei Adrian ein Bauer abhanden gekommen. Allerdings waren beide Königsstellungen nicht gerade sicher und seine Leichtfiguren standen recht gut. Die Stellung war noch im dynamischen Ausgleich. Dann opferte Adrian eine Qualität, um die gegnerische Königsstellung noch mehr zu schwächen. Allerdings drang die gegnerische Dame zuerst in seine Stellung ein und mopste einen weiteren Bauern. Doch sein Gegner unterschätze ein trickreiches Damenschach und ließ die Dame dann in seine Stellung eindringen. Mit Turm und Dame knüpfte Adrian das Mattnetz und gewann glücklich.
5,5:2,5

Nach Dortmund konnten nun auch wir mit kräftiger Mithilfe unserer Gäste gewinnen. Puh, das war knapp. Der Knoten ist nun hoffentlich geplatzt und die Gewinnermannschaft gefunden. Nun müssen wir natürlich auch beim Lister Turm nachlegen und hoffen noch weiter nach oben zu kommen.

4 Kommentare

  1. Mal wieder ein sehr schöner Bericht, Lutz. Da denkt man immer, man sitzt noch direkt im Spiellokal an den Brettern! Mein Siegeswille war sicherlich etwas zu übertrieben in der Partie – aber irgendwann muss man ja auch mal Glück haben. Ich sehe den nächsten Spielen positiv entgegen. Das werden wir schon schaukeln!

  2. Kaum spielen die erste und zweite Mannschaft in einer Location, gewinnt ihr und verlieren wir. Ihr scheint eure Verlustpartien an uns weitergegeben zu haben. Aber im ernst: Mal wieder sehr unterhaltsam geschrieben, sodass man direkt ins Geschehen reinversetzt wird. Viel Erfolg für das nächste Spiel. Bestimmt könnt ihr noch ein paar Punkte nach oben gut machen.

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