Die Rückkehr der Walze – Hameln demontiert Wolfenbüttel mit 6,5 – 1,5

Aus dem Tagebuch eines Mannschaftsführers…

Eigentlich wollte ich das „Walzenthema“ gar nicht mehr ansprechen, allerdings verleitet das Mannschaftsergebnis nun doch dazu. Doch drehen wir wieder die Uhr um ein paar Tage zurück.

Nicht nur Fußballtrainer können die halbe Mannschaft raus- und wieder reinrotieren lassen. Frisch ausgeruht aus dem Urlaub kamen diesmal Dennis und Yannick zu ihrem Saisondebüt. Dazu noch Stephan, so dass wir schon fast die „Best of Eight“ spielen lassen konnten. Das war auch nötig, erwarteten wir mit Wolfenbüttel einen der härtesten Mitkontrahenten um den Aufstieg.

Um 09:30 Uhr war ich bereits vor Ort und stellte alles auf. Pünktlich nachdem alles stand, kamen dann die restlichen Mitspieler. Dabei muss ich natürlich erwähnen, dass Kai diesmal besonders früh kam. Das verdient durchaus ein Sonderlob. Die Gäste kamen mit mehreren Autos an, so dass der Wettkampf nach einer kurzen Begrüßung einigermaßen pünktlich beginnen konnte.

Die Aufstellung lautete:

Hamelner SV – C. Wolfenbüttel
1 FM Bode, Wilfried (2335) – FM Tonndorf, Matthias (2243)
2 Renner, Kai (2140) – Erdogan, Ugur (2174)
3 FM David, Adrian (2189) – CM Oppitz, Peter (2059)
4 van Son, Lutz (2076) – Panskus, Martin (2013)
5 Gerstmann, Frank (2069) – Prof. Dr. Kraft, Karl-Heinz (2011)
6 Schmidt, Dennis (1971) – Bilawer, Andreas (1990)
7 Koch, Yannick (1966) – Müller, Willi (1930)
8 Rust, Stephan (2089) – Szablewski, Holger (1817)

DWZ-Schnitt: 2104 – 2030

An sechs Bretten hatten wir eine bessere Zahl, doch im Prinzip waren das bis auf Brett 3 und 8 nur sehr geringe Unterschiede. Daher waren wir leichter Favorit und ein toller Wettkampf sollte beginnen. Doch wie sage ich immer: „Die DWZ spielt kein Schach.“

Der Gegner von Adrian peitschte nach der Rochade fünf Bauern vorne. Das sah schon mal sehr gefährlich aus. Doch Adrian ließ den König in der Mitte stehen und verstärkte seinerseits seine Truppe am Damenflügel. Dann wollte scheinbar keiner zum ersten Schlag ausholen und man einigte sich (ein wenig überraschend) auf Remis. In der Endstellung fand ich, stand Adrian leicht schlechter. Doch war die Stellung sicher im dynamischen Gleichgewicht.
0,5:0,5

Nach einer guten Vorbereitung mit Kai und Wilfried, zauberte Dennis ein tolles Bauernopfer aufs Brett. Seine Figuren wurden schnell entwickelt und sein Gegenüber massiv bedroht (also die Figuren, nicht der Spieler). Nach einer Ungenauigkeit gewann der Hamelner eine Leichtfigur und konnte den Großteil der Figuren abtauschen. Das Endspiel wollte sein Gegner nicht wirklich lange spielen und gab zurecht auf.
1,5:0,5

Nach 1,5 Stunden sah es schon mal ganz gut aus. Kai und ich standen recht ordentlich. Stephan und Frank dagegen etwas komisch bis schlecht. Bei Yannick waren noch alle Ergebnisse möglich. Nur Wilfried’s Stellung verstand ich nicht. Doch vertraute ich ihm, dass sein Bauernopfer schon gut sein sollte.

Eine Partie mit wenig Höhepunkten spielte diesmal Yannick . Die Ausschläge bei Fritz schwankten zwischen +/- 0,3. Es wurden ein paar Klötze getauscht und Yannick blieb mit einem etwas schwächeren Bauern zurück. Den Bauern konnte er allerdings immer genügend decken und auch nach vorne marschieren lassen. So einigte man sich auf Remis.
2,0:1,0

Dann kommen wir vermutlich zu der entscheidenden Partie des Wettkampfes. Eigentlich hatte Stephan seine Leibvariante aufs Brett bekommen. Doch aus einen unerfindlichen Grund spielte der Rattenfänger einen so schlechten Läuferzug, dass ein simpler Springerzug seine Stellung pulverisierte. Es war recht einfach, zwei Mehrbauern mit einer guten Stellung zu bekommen. Allerdings verzichtete sein Gegenüber auf den Gewinn der Bauern und verhinderte stattdessen die Rochade des Königs. Nun konnte Stephan seine Stellung wieder konsolidieren. Doch auch der zweite Gewinnversuch des Gastspielers hatte es in sich. Mit einem tollen Doppelangriff auf Turm oder Matt verlor Stephan die Qualität. Als Ausgleich bekam er einen Freibauern, den man allerdings leicht abholen konnte. Nun war wieder der Gegner dran einige schwächere Züge zu spielen. Nach einem Generalabtausch blieben beide Seiten zwei Figuren und der besagte Freibauer. Es gab einige Möglichkeiten sich um diesen Bauern zu kümmern, doch nach einem Doppelfragezeichenzug konnte Stephans Läufer den richtigen Sperrzug ausführen und die Partie somit sofort gewinnen.
Nun gut, ich gebe es ja zu: Ich bin auch ein schlechter Verlierer und ärgere mich über jeden Verlust. Trotzdem muss man nicht das Partieformular seinen Gegners zerreißen, nach dem man es unterschrieben hat.
3,0:1,0

Nach 3 Stunden war ich mir sicher, dass wir den Wettkampf gewinnen würden. Kai hatte eine Mehrqualität. Wilfried und ich eine klar bessere bis gewonnene Stellung. Nur Frank stand irgendwie noch auf dem Acker.

Diesmal lief einiges schief in der Eröffnung. Frank’s Stellung war vorsichtig ausgedrückt – gruselig. Eine so disharmonische Stellung, unsicherer König, schwache Bauern und dazu noch ein unterentwickelter Königsflügel habe ich selten gesehen. Es kam alles auf einmal. Mit heißer Nadel versuchte Frank immer wieder seine Stellung zusammen zu halten. Dabei ließ sein Gegner durchaus einige Gewinnversuche aus. Als sich die Stellung tatsächlich langsam dem Ausgleich näherte, küsste Fortuna den Hamelner. Ein einzügiger Turmeinsteller und schnelles Matt stellten den kompletten Spielverlauf auf den Kopf. Schwein gehabt.
4,0:1,0

Eine hübsche Angriffspartie hatte ich diesmal auf dem Brett. Mein Gegenüber wollte einfach nicht rochieren. So musste die d-Linie geöffnet werden. Nach einem schönen Springerzug gewann ich mit einem Doppelangriff einen Bauern. Da sein König in der Mitte festgenagelt war, schleuderte mein Gegner mir noch einen Bauern auf den Opfertisch, um selber Gegenspiel am Damenflügel zu bekommen. Doch diesmal passte sehr viel bei meinen Spiel. Ein, zwei geschickte Sperrzüge und mein König war wieder sicher. Gleichzeitig gewann ich noch einen Bauern und legte den gegnerischen König blank. Mit wenig Bedenkzeit zauberte mein Spielpartner einen toll aussehenden Springerzug aufs Brett, bei dem mir fast das Herz stehen blieb. Doch nach einer Minute Schnappatmung konnte ich die simple Abwicklung erkennen und spielen. Zwar gewann ich durch Zeitüberschreitung, doch da war die Stellung glatt gewonnen.
5,0:1,0

Eine ganz tolle Partie spielte unser Spitzenspieler. Wilfried opferte in der Eröffnung einen Bauern. Ich hatte es nicht immer verstanden, warum das gut war. Aber das ist halt der Unterschied zu einem Titelträger. Mit sehr aktivem Spiel zwang Wilfried seinen Gegner in die Defensive und gewann mit einer hervorragenden Stellung den Bauern zurück. Der Rest war Technik – toll gespielt und verdient gewonnen. Klasse!
6,0:1,0

Kai war sehr gut aus der Eröffnung rausgekommen und hatte viel Raum gewonnen. Mit einer Figurenfesslung gewann der Hamelner eine Qualität. Doch mit zunehmender Spielzeit konnte sein Gegenüber die Zentrumsbauern nach vorne schieben. Das Endspiel war extrem spannend. Die Freibauern marschierten auf Kais Grundlinie zu, während Kais Truppen von hinten versuchten die Bauern aufzuhalten.
Schlussendlich konnte der Gast eine dreifache Stellungswiederholung erzwingen. Schade, dass 20 Züge mit einer Mehrqualität nicht zum Sieg gereicht haben, doch zum Schluss stand Kai glaube ich ein wenig schlechter.
6,5:1,5.

Kai Renner (rechts) und Ugur Erdogan (links) im letzten Gefecht am 2. Spieltag
K. Renner (rechts) und U. Erdogan (links) im letzten Gefecht am 2. Spieltag

Wow was für ein Wettkampf. Mit 6,5 Punkten haben wir lange nicht mehr gewonnen. Gut, bei Stephan und Frank hatten wir Glück gehabt. Dafür hatte Kai durchaus Möglichkeiten, dass Spiel für sich zu entscheiden. Trotzdem ich bin happy. Die sonstige Schwache zu Beginn der Saison ist verflogen und im nächsten Spiel können wir vielleicht endlich wieder auf Reinhard zurück greifen. Das ist auch notwendig, da es gegen den Tabellenführer aus Hannover geht. Zwei harte Nüsse haben wir schon geknackt, nun kommt die dicke Kokosnuss. 😉

2 Kommentare

  1. Ich glaube der Sieg ist etwas zu hoch ausgefallen. Frank hatte eine furchtbare Stellung, und auch Stephan hat mit Glück gewonnen. Wilfried hat seinen Sieg schön rausgespielt und auch Lutz und Kai haben das prima gemacht.

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