Den Kampf um die goldene Ananas haben wir gewonnen, Hameln dominiert in Nordhorn

Aus dem Tagebuch eines Schachspielers…

In der letzten Spielrunde durften wir fast an die holländische Grenze fahren und waren Gäste in Nordhorn. Es ging um nichts mehr, da beide Mannschaften im gesicherten Mittelfeld lagen. Dennoch nahmen wir den Kampf recht ernst und konnten wieder mit Felix spielen. Da unsere beiden Yongster eine Schulveranstaltung hatten, kamen für Ole und Jan diesmal Igor und Jonas mit. Auch der Gastgeber hatte einigen Ergänzungsspieler dabei. Dennoch waren die Nordhorner nach den ELO-Zahlen leichter Favorit. Doch wie sage ich immer: „ELO-Zahlen spielen kein Schach.“ Die Spiele mögen beginnen. Also ran an die Partien OHNE Computerüberprüfung!

SK Nordhorn Blanke 2 − 6 Hamelner SV

1. IM 2382 Frank M. Kroeze ½ : ½ Wilfried Bode 2355 FM
2. CM 2147 Simon Elgersma 1 : 0 Kai Renner 2185
3. CM 2200 Fabian Stotyn 0 : 1 Lutz van Son 2146
4. FM 2298 Onno Elgersma ½ : ½ Dennis Schmidt 2049
5. 2120 Ludger Höllmann 0 : 1 Yannick Koch 2086
6. FM 2104 Paul Bierenbroodspot 0 : 1 Felix-Hagen Jacobi 2081
7. 1985 Jürgen Meijerink 0 : 1 Igor Belov 2041
8. 1969 Jarno Scheffner 0 : 1 Jonas Möller 1848

Gegen Felix zu spielen hat immer seinen besonderen Reiz. Doch diesmal überraschte der Rattenfänger mit einer einwandfreien Eröffnungsbehandlung und einer guten Positionsstellung. Erst wurde ein schwacher Bauer als Angriffsmarke produziert. Dann auf der langen Diagonale die Dame und Läufer positioniert. Sein Gegenüber vernachlässigte die Verteidigung und suchte ebenfalls sein Heil im Angriff. Doch Felix war schneller und brachte den feindlichen Monarchen zur Strecke. Sauber gespielt und mit 4 Punkten aus 7 Partien hat Felix bei seiner ersten Saison in der Ersten Mannschaft eine gute Leistung abgeliefert.
1,0 – 0,0

Der Spannungsbogen in meiner Partie fing erst ganz flach an. Einige Figuren wurden getauscht, meine Türme schafften auf der a-Linie sich zu verdoppeln und drückten auf den Bauern. Allerdings wurde mein Läufer am Königsflügel ein wenig eingesperrt. Dafür benötigte ich einige Entsatztruppen, um meine Leichtfigur zu retten. Die Königssicherheit litt ein wenig, doch schaffte ich es rechtzeitig, meine Dame im Zentrum zu platzieren. Alles war für das Remis bereit, doch mein Gegenüber spielte nun auf Risiko, da einige seiner Mannschaftkameraden schon schlecht standen. Die Stellungsöffnung erwies sich als böser Fehler. Zwei Bauern flogen weg und mit einer schönen Läufertaktik, wurden alle wichtigen Felder gedeckt und der gegnerische Monarch gleichzeitig freigelegt. Der Rest war Technik. Noch eine Remisklammer abgewendet und der Sieg war unter Dach und Fach.
2,0 – 0,0

Jonas spielte sein Premierenspiel in der ersten Mannschaft. Mit viel Herz und keiner Angst wurde seine Streitkräfte in die Schlacht geführt. Nach einem taktischen Einschlag auf f2 gewann Jonas ein Bauer. Der Weg zum Gewinn war dennoch sehr lang. Immer wieder griff sein Gegner an und es wurde viel getauscht. Doch die Endspielbehandlung war sehr gut, auch weil der Rattenfänger diesmal ein gutes Zeitmanagement hatte. So konnte der volle Punkt eingefahren werden. Bravo.
3,0 – 0,0

Yannick war am Sonntag schon wesentlich besser drauf wie tags zuvor. Mit einer modernen Eröffnungsvariante überraschte er seinen Gegner und bot immer wieder einen Opferbauern an. Doch musste Yannick mehrfach seinen verspielten Vorteil erneut aufbauen, bis eine Taktik den entscheidenden Materialgewinn einbrachte.
4,0 – 0,0

Alles was am Samstag schiefgelaufen war, bekamen wir am Sonntag doppelt zurück. Der Spielverlauf wurde mir schon ein wenig Unheimlich, da bisher alle Partien zu unseren Gunsten entschieden wurden. Der Rest sah auch noch ganz gut aus. Igor stand auf Gewinn, Wilfried hatte ein besseres Endspiel, Dennis stand gedrückt, aber noch im Remisbereich. Nur die Stellung von unserem Mannschaftsführer Kai müffelte verdächtig.

Igor überspielte seinen Gegner und gewann recht schnell einen Bauern. Dafür hatte sein Gegenüber eine gewisse Aktivität. Doch der Hamelner wehrte alle Drohungen ab und tauschte eine Figur nach der anderen. Noch einen Bauern gewonnen und das Springerendspiel mit zwei verbundenen Freibauern wurde locker zum Gewinn durchgedrückt. 5,0 – 0,0

Das Geburtstagskind Kai spielte auch mit Schwarz eine sehr aktive Partie. Allerdings konnte sein Gegner zwei gefährliche Freibauern am Damenflügel bilden. Den drohenden Verlust vor Augen zauberte Kai einen Angriff aus dem Hut. Mit zwischenzeitlichen Figuren und Qualitätsopfer wurde der gegnerische König freigelegt. Einige Material wurde zurückgewonnen, doch die feindlichen Freibauern standen kurz vor der Umwandlung. Die Suche nach dem Dauerschach begann. Auf beiden Seiten verging die Zeit im Fluge und in einem wilden Geblitze hatte sein Gegner das bessere Ende für sich.
5,0 – 1,0

Nach einen fehlerhaften Läuferzug musste Dennis lange einen heftigen Abwehrkampf führen. Doch sehr trickreich konnte Dennis nicht nur alle Angriffe abwehren, sondern gewann einen Bauern. Nun versuchte der Rattenfänger sein Glück im Angriff. Leider hatte Dennis zu wenig Zeit, die Gewinnvariante zu finden. So wurde die Punkteteilung vereinbart. 5,5 – 1,5

Eine sehr interessante Partie lief diesmal am Spitzenbrett. Wilfried erspielte sich einen kleinen Vorteil und kam in einen vorteilhaften Leichtfigurenendspiel mit Läufer gegen Springer raus. Auch die gegnerisch Bauernstellung verbrach Potenzial zum Sieg. So entstand erst der entfernte Freibauer am Königsflügel, bevor Willi am Damenflügel aktiv wurde. Mein Bauchgefühl und auch meine Bücher zum Tigersprung sagten, die Stellung ist gewonnen. Aber sein Gegenüber zauberte mit seinem Springer und vereitelte alle möglichen Gewinnideen. Mit dem Computer kann man es bestimmt schnell ausrechnen, leider fand Wilfried nicht die korrekte Fortsetzung und die Stellung wurde Remis. Trotzdem hat Wilfried eine tolle Saison am ersten Brett gespielt. Ungeschlagen mit 4,5 Punkten aus 8 Partien. Klasse.
6,0 – 2,0

Einen Mannschaftskampf bei dem fast alles glatt lief und alle knappen Partien zu unseren Gunsten fielen. Wow. Mit 8 Mannschaftspunkten liegen wir in der Endtabelle auf einem tollen 5.Platz. Kirchweyhe hat mit dem 4:4 gegen Lister Turm die Meisterschaft und Aufstieg gesichert. Nun manchmal spielen die ELO-Zahlen doch Schach. Am letzten Spieltag konnte SF Hannover mit ihrem Sieg gegen Tostedt die rote Laterne an Delmenhorst abgeben. Wer nun in der nächsten Saison in der Oberliga spielt ist allerdings noch unklar. Tostedt hat wohl zurückgezogen und steht in der aktuellen Saison als Teilnehmer in der Landesliga Nord. Da ist wohl jemand das Geld ausgegangen. In der Landesliga Süd ist Lister Turm 2 Meister geworden, doch dürfen in der Oberliga ja nicht zwei Mannschaften vom gleichen Verein spielen. Wird also Salzgitter den Platz einnehmen? Es gibt noch Spekulationen, ob noch andere Mannschaften aus der Oberliga wegen Corona zurückziehen. Und was ist mit Lingen? Wir waren am besten noch einige Wochen ab und schauen dann auf das Teilnehmerfeld.

Bleibt gesund.

4 Kommentare

  1. Hallo, Leute,
    so bleibe auch ich nüchtern in meinen Gedanken: Es ist festzustellen, dass der Hamelner SV relativ unbeschadet über die Schach-Lock-Down-Zeit gekommen ist.
    In den beiden Schlussrunden fehlten unter dem Strich 2 mir sehr bekannte (und auch, leidvolle Erfahrung, sehr starke) Spieler. Es bleibt zu hoffen, dass diese in der neuen Saison wieder antreten können, aber auf jeden Fall könnt ihr dieser Saison entspannt entgegen sehen, was auch immer das Virus für uns bereit hält.

    Es steht nämlich zu befürchten, dass manche Vereine durch die Dauerauszeit einen herben Quantitäts – und Qualitätsverlust an Spielern werden quittieren müssen.

    Liene GRüße aus GÖ,

    Lothar

  2. Danke für den tollen Bericht, Lutz. War schön mal wieder am Brett zu sitzen und die Figuren live ziehen zu können. Der Rost ist ab und nächste Saison wird wieder angegriffen. Ich freu mich drauf.

  3. Das war ne bärenstarke Mannschaftsleistung. Die Turnierhärte ist uns auf jeden Fall noch nicht abhanden gekommen. Corona verleiht Flügel …

  4. In Anbetracht der Tatsache, dass andere Mannschaften / Vereine momentan komplett zerfleddern sind wir immer noch hervorragend aufgestellt.

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