Hameln und Lister Turm spielen wilde Sau

Also diese Saison gibt es scheinbar keine langweiligen Mannschaftskämpfe in der Oberliga. Diesmal hatten wir die Absteiger aus der 2.Bundesliga das Team vom Lister Turm zu Gast. Und sie wollte beide Punkte aus der Rattenfängerstadt entführen. Das konnte man gleich an der Aufstellung erkennen. Doch drehen wir die Uhr ein wenig zurück.

Da sich Yannick noch die Sonne auf seinen Bauch scheinen läßt, wurden wir durch Gerd verstärkt. Die restliche Crew war vollständig und motiviert. Nach der GM-Lehrstunde und dem gut besuchten Samstagstraining bei Wilfried wollten wir es zeigen, das wir etwas gelernt umsetzen konnten. Doch unsere unsere Gäste fuhren große Geschütze auf. Fast mit absoluter Bestbesetzung kamen die Landeshauptstädter an. Wie gut die Mannscchaft war, kann man erkennen das der amtierende Niedersachsenmeister an Brett 8 spielte. Entsprechen einfach war die Favoritenrollen unseren Gästen zuzuordnen. Doch wie sagte ich es schon immer. „ELO-Zahlen spielen kein Schach.“ Also ran an die Partien. Ohne Computerüberprüfung 😉

Hamelner SV 3½ − 4½ HSK Lister Turm

1 Bode, Wilfried 1 : 0 Hoffmann, Lukas
2 Tonndorf, Matthias 1 : 0 Buchenau, Frank
3 van Son, Lutz 0 : 1 Petkidis, Anthony
4 Renner, Kai ½ : ½ Hoerstmann, Martin
5 Schmidt, Dennis 0 : 1 Voege, Tobias
6 David, Adrian 1 : 0 Hoerstmann, Rudi
7 Gerstmann, Frank, Dr. 0 : 1 Hampel, Felix
8 Kaiser, Gerhard 0 : 1 Polster, Christian

Schon recht schnell stellte ich die These auf: „Heute werden wir nicht so viele Remis-Partien sehen.“ Die „Wilde Sau-Saison“ hatte begonnen.

Was genau Frank in der Eröffnung geritten hat, weiß er vermutlich selber nicht. Vermutlich zu schnell gespielt. Auf jeden Fall fehlte Sf6 und so stand Frank nach 7 Zügen auf Verlust. Die feindlichen Springer auf b5 und d5 bedrohten einfach c7. So flog der Bauer und die Qualität nach 15 Minuten Spielzeit weg. Pfui, schäm dich Frank. Das muss nächstes Mal besser werden. 😉
0,0 – 1,0

Eine wilde Partie lieferte diesmal Adrian ab. Beide spielten mit offenen Visier und versuchten die Initiative zu bekommen. Adrian gewann einen Bauern und konnte diesen Vorteil langsam aber stetig verbessern. Seine Figuren verbesserten ihre Position, bis der volle Punkt eingefahren wurde.
1,0 – 1,0

Diesmal wählte Kai eine gute Eröffnung aus, die ihm ein bessers Zentrum und bequemes Spiel sicherte. Schnell noch einen schwachen vereinzelten Doppelbauern verursacht, dachte ich, dass Kai nun voll auf Angriff spielen wollte. Doch nun willigten beide Spieler durch 3-Stellungswiederholung zum Remis ein. Komisch, damit habe ich nicht unbedingt gerechnet.
1,5 – 1,5

In der Eröffnungsphase experimetierte ich diesmal herum und ließ mich auf eine lange Theorievariante ein. Leider kannte mein Gegenüber die Theorie einen Zug länger als ich. Das reichte aus und ich musste eine Figur gegen drei Bauern opfern. Optisch sah es recht gut aus und auch der Computer meint, dass es Ausgleich ist. Aber am Brett sah es leider anders aus und mein Gegner konnte geschickt meine Bauernphalanx knacken und die Bauern abräumen.
1,5 – 2,5

An den anderen Brettern sah es schon recht wild, aber recht günstig für uns aus. Wilfried musste sich einem wilden Angriff erwehren, hatte aber massiv Mehrmaterial. Matthias hatte eine Figur gegen zwei Bauern geopfert, stand aber im höhreren Sinn schon auf Sieg. Gerd stand einfach nur gut und Dennis haute sich im wilden Getümmel mit seinem Gegner. Da war alles möglich gewesen.

Matthias wählte eine starke Angriffsvariante aus, wobei sein Gegenüber ein wenig zu passiv agierte. So konnte Matthias mit einem hübschen Springeropfer die feindliche Bauernkette vernichten. Wie mit einem warmen Messer durch weiche Butter ging sein Angriff weiter und die Schwerfiguren machten sich auf den Weg den Monachen zu erlegen. Doch nun wurde die Verteidigung gestärkt, einige Angriffsfiguren getauscht und Matthias bog ins ungleichfeldiges Läuferendspiel mit zwei Mehrbauern ein.Dieses behandelte er stark und gewann sicher.
2,5 – 2,5

Gerd hatte eine aktive Stellung erreicht, dafür war die Bauernkette vor seinem König ein wenig löchrig. Doch nach einige aktiven Zügen hatte Gerd den amtierenden Niedersachsenmeister schon am Rand der Niederlage. Zwischenzeitlich sah es danach aus, als ob Gerd die feindliche Dame fangen konnte. Leider wurde die Chance vertan und Gerd wurde böse ausgekontert. Schade da war mehr drin gewesen.
2,5 – 3,5

Wilfried ’s Partien sind ja manchmal wie eingeschlafene Füsse. Doch diesmal war alles ganz anders. Diesmal haute sein Gegner ihm ein Figurenopfer in die Stellung, da klingelte es in Willis Ohren. Nach dem Figurenopfer walzte sich die Bauernmasse nach vorne, so schnell das Wilfried seinen König gar nicht rochieren konnte. Noch ein geschmeidiges Turmopfer hinterher und ein Bauer fraß sich bis nach f7 durch. Doch Wilfried hatte eine einfach Devise – nach jedem Zug einfach nicht aufgeben. Er kämpfte tapfer wie Herkules und wehrte alles Drohungen ab. Sein König lief ins Abzugsschach rein – na und das kostet doch nur den Läufer. Das Material hatte er über. Ob alles korrekt war oder der Angriff druchschlagen musste kann sowieso nur der Computer entscheiden. Auf jeden Fall in der Analyse wurde kein Gewinnweg für sein Gegner gefunden. Wilfried opferte ein wenig Material zurück, bis endlich sein König einigermaßen sicher stand. In der Zeitnotphase zeigte der Hamelner dann, warum er einer der stärksten niedersächsischen Blitzspieler ist und gewann nach einer schönen Kombination. Wow – schnell mal meine Herztropen nehmen. 😉
3,5 – 3,5

Nun lag die Last der Verantwortung auf den schmalen Schultern unseres Mannschaftsführer Dennis. Auch seine Partie war eine Abfolge von Angriffen und Abwehr. Hüben und drüber wurde angeriffen. Königssicherheit? Was ist das? Im wilden Handgemenge sah Dennis lange nach den Spieler aus, der den längeren Atem haben sollte. Eine Qualität wurde gewonnen, doch nun begann die Zeitnotphase. Vielleicht hätte Dennis einfach mal Remis anbieten sollen, auf jeden Fall wurde es jetzt ein wenig ungenau. Nach der Zeitkontrolle drohten einige böse Einschläge, die Dennis nicht mehr vernünftig verhindern konnte. Die Qualität musste zurückgegegben werden und zwei Minusbauern blieben.
Das konnte der Hamelner leider nicht mehr halten. Schade, auch da war mehr drin gewesen.
3,5 – 4,5

Was für ein Wettkampf. Das war Action auf hohen Niveau. Leider mit dem besseren Ende für unsere Gäste. Allerdings konnte man sehen, das es wirklich verdammt knapp war. Die Tabellensituation hat sich ein wenig verändert. Letzter mit zwei MP ist weiterhin Göttingen, ebenfalls mit zwei MP unser nächster Gegner Bremer SG, drei MP haben Werder Bremen. Auch im Abstiegsstrudel steckt noch überraschenderweise Delmenhorst mit 4 MP. 5 MP und einen halben Brettpunkt weniger als wir hat SF Hannover. Grundsätzlich sieht es noch recht gut für uns aus, da wir noch gegen beide Bremer Mannschaften und Göttingen spielen müssen. Darin liegt natürlich die Gefahr, dass wir die Spiele auf die leichte Schulter nehmen. Frei nach dem Motto. „Wenn wir gegen Hellern und Nordhorn gewinnen, werden wir diese Mannschaften auch locker schlagen“. Auf so einige dumme Idee sollte wir gar nicht kommen. Den diese Mannschaften werden sicher mit dem Messer in dem Mund spielen und uns in den Abgrund reißen wollen. Also volle Konzentration und am besten schon im nächsten Wettkampf den Kassenerhalt sichern.

4 Kommentare

  1. Die beiden Spitzenbretter haben sich auch lange und gewissenhaft seriös vorbereitet. Das hat halt Früchte getragen. Selbst ich habe etwas dabei gelernt und auch mal gewonnen.

  2. Du sagst es gute Vorbereitung ist die halbe Miete und diesmal hatte ich auch noch zusätzlich das Rote Buch mit starken Angriffsvarianten dabei

  3. Vielleicht muss ich mir der Vorbereitung doch mal anschließen… Spannender Mannschaftskampf mit einem leider unglücklichen Ende für uns. Aber mit der Mannschaftsleistung im Allgemeinen kann man nur zufrieden sein – starker Einsatz, Jungs!

  4. Und: Danke für den Bericht Lutz. Am Brett selbst bekommt man ja doch nicht immer alles mit. Da kann man sich über den Bericht nochmal ein paar Tage „zurückversetzen“ lassen… 😉

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