3… 2… 1… Aufstieg…?!

Aus dem Tagebuch eines Mannschaftsführers…

Der Wahnsinn geht weiter – mit einem erneuten Sieg in der Oberliga Nord West bleiben wir Klassenprimus. Drehen wir die Uhr wieder um ein paar Tage zurück.

Nachdem wir auch die letzten Abstiegszweifel abgestreift hatten, mussten wir uns neue Ziele suchen. Gut, als Tabellenführer ist das natürlich recht einfach und die Motivation der einzelnen Spieler sprudelte förmlich über. Reinhard sagte leider für den Mannschaftskampf ab, dafür konnte ich aber den topmotivierten Stephan verpflichten. Nach seinem letzten kampflosen Sieg wollte er diesmal unbedingt spielen. 🙂 So traten wir diesen wichtigen Wettkampf in der Aufstellung Wilfried, Friedmar, Kai, Adrian, Dennis, Lutz, Igor und Stephan an. Sah ja eigentlich recht ordentlich aus!

Die Nacht vor dem Wettkampf konnte ich ungewöhnlicherweise sehr gut schlafen und hatte zudem noch angenehme „Aufstiegs“träume – ich sah einen Sieg für unser Team und eine gleichzeitige Niederlage unserer Göttinger Verfolger. Das verhieß Gutes, da ich mich auf meine Mannschaftsführerintuition in dieser Saison bisher immer verlassen konnte. Was sollte also schiefgehen? So zog ich mein schickes blaues Schach-Sweatshirt an, holte Igor ab und fuhr zum Spiellokal…

Da die erste Mannschaft am Sonntag als einzige Mannschaft spielte, war Kurt schon vor Ort und hatte das Spiellokal aufgeschlossen – herrlich. Bretter aufbauen und Uhren stellen wurde schnell erledigt. Der Schiedsrichter war ebenfalls anwesend, daher konnte ich frühzeitig die Aufstellung bekanntgeben. Was noch fehlte waren meine Mannschaftskollegen. Ein kurzer Blick auf die Uhr sagte 10:45 – also so wie immer. Es dauerte nicht lange und die ersten Mitspieler trafen ein. Um 10:55 Uhr waren wir dann komplett. Nicht zu erwähnen, dass der Spieler, der nur 200 Meter bis zum Spiellokal gehen musste, als letzter eintraf. Unsere Gegner aus der Landeshauptstadt waren ebenso pünktlich und trafen überraschenderweise erstmalig mit ihrem Spitzenspieler Nikolas Nüsken ein. *grummel* Konnte er nicht ein Spieltag länger pausieren? Damit waren sicherlich einige Vorbereitungsarbeiten zunichte gemacht. Immerhin fehlte ihre Nr. 4, sodass an den hinteren Brettern die Vorbereitung wieder stimmte. Eine kurze Ansprache und schon konnten die Spiele beginnen.

Die Aufstellung lautete:

Hamelner SV – Lister Turm

2346 Bode, Wilfried – Nüskens, Nikolas 2318
2251 Schirm, Friedmar – Hoffmann, Lukas 2189
2186 Renner, Kai – Hampel, Felix 2082
2287 David, Adrian – Cordes, Klaus 2251
2063 Schmidt, Dennis – Juhnke, Jürgen 2273
2078 Van Son, Lutz – Denger, Philipp 2079
2051 Belov, Igor – Khodjabagyan, Seyran 2175
2207 Rust, Stephan – Raimann, Max-Günther (1970 DWZ)

Die Spieler aus Hannover hatten einen Elo-Schnitt von 2167, wir einen von 2184. Also alles ziemlich ausgeglichen. Das versprach ein enges Match zu werden.

In den ersten drei Stunden konnte man schon erkennen, dass die Hamelner ihre Aufstiegschancen wahrnehmen wollten. Wilfried, Friedmar und Adrian standen frühzeitig recht aussichtsreich. Dennis hatte einen Bauern gewonnen – dafür aber insgesamt eine Stunde mehr überlegt als sein Gegner. Auch meine Stellung hatte sich prächtig entwickelt und ich fühlte mich sehr wohl. Nur bei Stephan sah es ein wenig gedrückt aus, doch seine starke Phase sollte noch kommen.

Als erstes beendete Adrian die Partie. Nach einer tollen Eröffnungsphase und einem wuchtigen Angriff auf den Königsflügel, sah es nach einem schnellen Sieg aus. Dazu hatte sein Gegner auch noch viel Zeit verbraucht. Doch der letzte Totschläger wollte einfach nicht kommen. Die Verteidigung hielt und Adrian musste ins Remis einwilligen. Schade eigentlich, da war vielleicht mehr drin. 0,5:0,5

Viel Nervenstärke und ein sehr gutes Taktikgespür hatte dafür Stephan. Lange Zeit stand er in einer gedrückten Stellung, da die gegnerischen Bauern das komplette Zentrum besetzten. Ein Vorstoß am Damenflügel musste die Wende bringen. Das Zentrum öffnete sich und mit einem geschickten Springer-/Damenangriff konnte er den König zur Strecke bringen konnte. 1,5:0,5

Doch die Führung sollte nicht lange halten. Sah es am Anfang für Igor noch recht brauchbar aus, wurde die Stellung zunehmend schwieriger. Zwar gewann Igor einen Bauern auf b2, dafür drangen Springer und Turm in seine Stellung. Später musste der Bauer wieder zurückgegeben werden, jedoch blieben die feindlichen Truppen in seiner Stellung stehen. Trotz erbitterter Gegenwehr verlor Igor einen weiteren Bauern und bekam ein undankbares Damenendspiel. Immerhin ging es diesmal schnell mit der Partie zu Ende. 1,5:1,5

Friedmar zeigte erneut eine tolle Kombinationspartie und konnte geschickt eine Qualität gewinnen. Diesen Vorteil baute er kontinuierlich aus und sah recht früh wie der sichere Sieger aus. Nach einem Fingerfehler stellte er allerdings eine Figur ein, stand aber augenscheinlich noch immer besser. Als er dann aber seinen h-Bauern kampflos abgab, musste er ums Remis kämpfen, was er erfolgreich tat. 2:2

Auch Wilfried hatte am Spitzenbrett den vollen Punkt vor Augen. Mit tollem Spiel und schönen Kombinationen hatte sich der Hamelner einen Vorteil erspielt und trieb seinen Freibauern nach vorne. Nach einigen Verwicklungen jagten seine Truppen den gegnerischen Monarchen ums Brett herum. Doch der Hannoveraner verteidigte sich geschickt und konnte den sicheren Remishafen erreichen. Damit hatten all unsere vorderen Bretter, die von Anfang an gut standen, keinen einzigen Sieg erzielen konnten. Das ist bitter! 2,5:2,5

Nun lag es wieder an unseren Benjamin, Hameln in Führung zu bringen. Es lag die Vermutung nahe, dass sich sein Gegner sehr gut in der Eröffnung auskannte. Für die ersten 15 Züge hatte der Hannoveraner 5 Minuten gegen 1 Stunde 5 Minuten verbraucht. Immerhin gewann Dennis einen Bauern dafür. Doch war der Bauer wirklich eine volle Stunde Bedenkzeit wert? Die restliche Partie spielte der Rattenfänger sehr zügig herunter, was nicht so leicht war im Doppelturm-/Läuferendspiel. Doch eines muss man Dennis lassen: nervenstark und gekonnt tauschte er die Türme ab und bekam ein gewonnenes Läuferendspiel. Das sich wiederum 10 Züge später in ein remises Endspiel wandelte – vielleicht war die permanente Zeitnot daran Schuld. Ein fürchterlicher Figureneinsteller brachte dann den vollen Punkt für Hameln. Schwein gehabt! 3,5:2,5

In meiner Partie stand ich gefühlte 30 Züge besser. Läuferpaar, schwacher Bauer beim Gegner, schwacher gegnerischer Läufer, Königsflügel zerbombt… Trotzdem wehrte sich mein Gegner mit Händen und Füßen und hielt seinen Kasten sauber. Unglaublich aber wahr, selbst Fritz konnte keinen direkten Gewinnweg finden (was mich im Nachhinein etwas beruhigte). Nach der Zeitkontrolle wendete sich das Blatt ein wenig. Trotz intensiver Bemühung fand ich keinen Gewinnweg und bot Remis an. Doch mein Gegenüber wollte weiterspielen. Wieder einmal unglaublich aber wahr: der schlechte Läufer, der über 40 Züge wie ein Großbauer herumstand, konnte aktiviert werden und stellte meinen König auf Matt. Der letzte verzweifelte Gegenangriff und ein Gebet waren meine Antwort darauf. Und das Gebet wurde erhört. Statt eines Damenschachs und glatter Gewinnstellung wurde mein Turm gefressen und ich konnte mit Läufer und Dame Dauerschach geben… Na ja, so ganz stimmt das nicht. In der Schlussstellung war die Partie wieder verloren für mich, doch konnte die Abwicklung keiner von uns am Brett finden. Glück gehabt! 4:3

Kai spielte am 3. Brett wieder eine sehr taktisch wie auch strategisch geprägte Partie, wobei der kleine Vorteil immer wieder wechselte. Das Springer-/Läuferendspiel konnte ich nicht richtig einschätzen, doch muss Kai es sehr gut behandelt haben, da er eine ganze Figur gewinnen konnte. Sein Gegner konnte die Stellung leider vereinfachen und alle Bauern tauschen, dass eine Läufer/Springer- gegen Springer-Situation entstand. Es war irgendwie niedlich anzusehen, wie Kai versuchte dieses Endspiel zu gewinnen. Werde später mal Fritz fragen, was der davon hält. So einigte man sich auf Remis und wir hatten den Kampf gewonnen. 4,5:3,5

Tja… und da Göttingen tatsächlich in Oldenburg verlor, hatten sich meine Träume verwirklicht. 2 Mannschaftspunkte und 3,5 Brettpunkte Vorsprung sind schon mal nicht schlecht. Wobei noch drei harte Wettkämpfe anstehen. Erst mal geht es nach Stade, die wir unter keinen Umständen unterschätzen dürfen. Interessant ist die Tabellensituation sowieso – zwischen Platz 9 (5 Mannschaftspunkte) und Platz 3 (7 Mannschaftspunkte) liegen nur 2 Mannschaftspunkte. Das verspricht noch eine sehr spannende Saison zu werden.

Zum Schluss noch das große Schach Orakel 🙂

Schach Orakel

9 Kommentare

  1. Mal wieder ein schöner Eintrag im Tagebuch. Mit fast 32 Jahren noch Benjamin genannt zu werden, ist recht schmeichelhaft! Was bekommst du dafür, Lutz?

  2. Höh höh, nicht schlecht. Weiter so Ihr Recken! Habe mal geschaut, wer denn so in der 2. Bundesliga ansteht: Robert Hübner, Jan Timman, …
    Haut rein.

  3. Super Jungs, die nächsten Runden sind doch auch zu schaffen und dann kommt der große showdown gegen Göttingen! Schonmal das Bier kaltstellen! 🙂

  4. Glückwunsch! Da kann man mal sehen wie sich die Ziele innerhalb einer Saison radikal ändern können. Wie ich dem Bericht entnehmen kann war auch ein höherer Sieg möglich, das gibt ja wohl den Ansporn für einen erfolgreichen Aufstiegsendspurt! Viel Glück dafür!

  5. Vierte träumt weiter vom Aufstieg in die Bezirksliga
    In der 6. Runde hatte unsere 4. Mannschaft als Tabellenzweiter den Tabellendritten Post SV Bad Pyrmont zu Gast. Während die Pyrmonter in Bestbesetzung antraten, mussten wir Friedel Schwekendiek und kurzfristig auch Henning Wehrmann ersetzen und Christine Spieker an die Zweite und Gerhard Singer an die Dritte ausleihen. So war eine knappe Niederlage bei einem DWZ-Schnitt von 1.610 zu 1.603 zu befürchten. Da aber – wie Lutz van Son immer sagt . DWZ-Zahlen nicht gegeneinander spielen, kamm es auch gestern wieder einmal ganz anders.
    Schon nach einer Stunde Spielzeit hatten wir in allen Weißpartien (Kurt Pape Brett 2, Peter Scherneck 4, Andreas Helmer 6 und Gerhard Zweck 8) zum Teil deutliche Vorteile, während Luis-Maria Vieto (1) und Markus Straub (3) um den Ausgleich kämpften. Gerhard Zweck brachte uns in Führung, die Luis-Maria mit einem Sieg ausbaute. Jochen Wehner (5) erzielte ein glattes Remis, und auch Markus Straub konnte mit einem Minusbauern nch zäher Verteidigung einen halben Punkt einfahren. Leider übersah Andreas Helmer in aussichtsreicher Stellung ein Grundlinienmatt. Aber Kurt Pape und Peter Scherneck stellten durch überzeugende Siege den Gesamterfolg sicher, so dass Werner Lucas (7) in besserer Stellung schließlich in ein Remis einwillgte.
    Da SK Duderstadt das Heimspiel gegen SK Bad Harzburg kampflos mit 8:0 gewann, muss nun ein Sieg in der nächsten Runde in Hameln gegen Duderstadt gelingen, um die Tabellenspitze zu erorbern. Das wird schwer genug, da auch Duderstadt insgesamt stärker besetzt ist als wir. Zum Aufstieg reicht jedoch der 2. Platz, den wir mit 4 Mannschaftspunkten und einer Menge Brettpunkten vor dem Dritten bei nur noch 3 ausstehendern kämpfen hoffentlich verteidigen können.

  6. Hallo Kurt, aus deinem Kommentar habe ich mir mal erlaubt einen Artikel zu verfassen. Danke für den Bericht vom Sonntag – schön, dass ihr gewonnen habt!!

Kommentar verfassen